120529BrueckeLHarburg - Kann denn in den Hamburger Planungsbüros niemand mehr richtig rechnen? Nach der mehr als peinlichen Verdoppelung der Kosten für den Umbau des Gloria-Tunnels wird jetzt auch die Drehbrücke im

Harburger Binnenhafen knapp doppelt so teuer wie geplant. Bisher sind dafür rund 1,3 Millionen Euro locker gemacht worden, jetzt werden weitere 1,1 Millionen Euro gebraucht. Das hat Harburgs Baudzernent Jörg Penner mitgeteilt.

 

 

Es hat sich herausgestellt, dass bei den Planungen für Hamburgs einzige Drehbrücke, die rechtzeitig zum Beginn der Internationalen Bauausstellung 2013 fertig gestellt sein soll, einige wichtige Details übersehen worden sind: So muss der Mittelpfeiler der Drehbrücke zwischen Veritaskai und Schlossinsel wegen des weichen Untergrunds des Lotsekanals viel tiefer als gedacht gegründet werden. Außerdem hatte zunächst niemand daran gedacht, zumindest an einem Ufer einen „Anschlag“ vorzusehen, damit die Brücke nach dem Drehen sicher einrastet. Schließlich, so Frank Krippner, Sprecher der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU), seien die Materialkosten  gestiegen und es gebe verschärfte EU-Richtlinien.

Das renommierte Ingenieurbüro Grassl hatte sich in einem Architektenwettbewerb gegen mehrere Konkurrenten durchgesetzt, die den Bau von Klappbrücken vorgeschlagen hatten. „Es ist schon sehr erstaunlich, dass da solche Fehler passiert sind“, sagt CDU-Kreischef Ralf-Dieter Fischer, der auch in der Wettbewerbsjury saß. Dabei seien die Unterlagen vom Landesbetrieb Straßen, Brücken, Gewässer ausführlich geprüft worden.

Die BSU lehnt es kategorisch ab, eine Million Euro zusätzlich herauszurücken. Auch bei der IBA ist kein Geld zu holen. Fischer: „Obwohl es sich ja offiziell um ein IBA-Projekt handelt.“ Nun soll der Bezirk die Zeche zahlen. Muammer Kazanci (SPD), Vorsitzender des Stadtplanungsausschusses: „Der Bau der Drehbrücke ist trotz der gestiegenen Kosten nicht gefährdet.“

Jörg Penner ist nämlich schon fündig geworden. Zunächst solle auf die „Ertüchtigung“ der Brücke über den Kaufhauskanal verzichtet werden. Am Kaufhauskanal ist ein weiteres IBA-Wohnprojekt geplant, das aber auf keinen Fall rechtzeitig zur Abschlusspräsentation der Ausstellung im kommenden Jahr fertig wird. Eines der Glanzlichter dieses Projekts war die Möglichkeit, mit dem Boot bis vor die eigene Haustür zu fahren. Das wird nun vorerst nicht möglich sein. Unter der Brücke über den Kaufhauskanal verlaufen zwar Rohre, Boote oder kleine Schiffe passen aber nicht durch. mz