120419RubbertNeugraben - In letzter Sekunde haben die Autohaus-Chefs Thorsten (Foto) und Werner Rubbert noch einmal alle Register gezogen, um die Entscheidung der Politik über die Zukunft ihrer Immobilie an der Cuxhavener Straße

Ecke Bauernweide zu beeinflussen. „Wenn Rewe nicht einziehen darf, haben wir einen anderen Investor“, sagte Juniorchef Thorsten Rubbert und präsentierte ihn auch gleich: Oliver S. („mein voller Name spielt hier keine Rolle“), nach eigenen Angaben auf der Reeperbahn geschäftlich engagiert.

Der neue Investor wolle in dem Haus an der Cuxe „etwas im Wellnessbereich“ machen. Im Gespräch mit harburg-aktuell konkretisierte Oliver S. seinen Plan: „Man könnte dort so etwas wie das Babylon in Hammerbrook einrichten. Der Standort ist ideal.“ Das Babylon firmiert im Internet als „FKK-Club“ und gilt unter anderem als Treffpunkt der Hell’s Angels.

Damit hatten die Rubberts ihr Pulver aber noch nicht verschossen. Sie berichteten von einem Treffen mit einem der Eigentümer des maroden Süderelbe-Einkaufszentrums (SEZ), an dem auch der SPD-Bezirkspolitiker Heinz Beeken teilgenommen hatte. Der Eigentümer habe angekündigt, acht bis zehn Millionen Euro (die Summe sank im Lauf der Pressekonferenz auf sieben bis neun Millionen Euro) in das SEZ zu investieren. Thorsten Rubbert: „Aber nur wenn der Lebensmittel-Vollsortimenter in das Autohaus einziehen darf!“ Das Geld solle unter anderem für eine attraktivere Gestaltung der Fußgängerbrücke über die B73 hin zum Busbahnhof und zur S-Bahn verwendet werden.

Thorsten Rubbert zeigte sich davon überzeugt, dass die „Mehrheit der Bevölkerung“ es sehr begrüßen würde, wenn Rewe in das Autohaus einzieht.  Bei einer Informationsveranstaltung zum Rewe-Plan vor einigen Monaten im Gymnasium Süderelbe war ein anderer Eindruck entstanden. Damals waren die Kritiker klar in der Überzahl. Gerd Kruse vom Planungsbüro Elbberg, der im Auftrag der Firma Rubbert den neuen Bebauungsplan erarbeitet, will das aber nicht gelten lassen: „Das war eine Veranstaltung, die wir freiwillig angeboten haben.“ Sie sei nicht Teil des Planverfahrens, die Bevölkerung sei demnach offiziell noch gar nicht gefragt  worden.

Dennoch ging Kruse auf die immer wieder geäußerte Kritik ein, der geplante Rewe-Markt sei zu weit vom eigentlichen Zentrum entfernt und würde bei den dort ansässigen Einzelhändlern zu weiteren Einbußen führen. „Eine Sprunginsel für Fußgänger in der Bauernweide wird den Weg ins Zentrum sicherer machen.“ Außerdem solle bei Rewe ein großes Schild aufgestellt werden, das auf die weiteren Geschäfte im Zentrum hinweist.

Kay Mecklenburg, Feinkosthändler in der Neugrabener Marktpassage, gab zu bedenken, dass 90 Prozent der Grundeigentümer und die Mehrheit der Marktbeschicker zwar für Rewe in Neugraben sind, „aber nicht bei Rubbert“. Werner Rubbert wollte das nicht gelten lassen. Die Geschäftsleute hätten selber Schuld: „Wer an verkaufsoffenen Sonntagen nicht öffnet, muss sich nicht wundern. Und die Marktleute müssen ihre Verkaufszeiten eben den Bedürfmissen der Kunden anpassen und auch mal nachmittags oder abends Waren anbieten.“

Nur zwei Stunden nach der Pressekonferenz im Autohaus Rubbert trafen sich die Fraktionen der Bezirksversammlung, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Die Fraktionschef von CDU und FDP, Ralf-Dieter Fischer und Carsten Schuster, hatten sich schon vorher festgelegt: „Wir unterstützen den Rewe-Plan.“ SPD-Fraktionsvize Heinz Beeken hoffte auf „eine positive Entscheidung für das Neugrabener Zentrum“, GAL-Fraktionschef Ronald Preuß wollte angesichts der neuen Fakten für eine Vertagung der Entscheidung plädieren, Klaus Lübberstedt von der  Linken lehnt den Plan ab. mz