120412KanalplatzHarburg - Schon wieder sorgt ein Zaun für Zoff in Harburg. Konnte man bei dem „Sicherheitszaun“ um das Außenmühlenfest noch unterschiedlicher Meinung sein, klingt das neueste Kapitel aus Harburgs Zaunchronik eher wie ein Schildbürgerstreich: Der für 1,3 Millionen Euro umgestaltete Kanalplatz mitten im Binnenhafen soll an der Wasserkante hin zum Lotsekanal mit einem hüfthohen Zaun gesichert werden. Mehr noch: Auch am gegenüberliegenden Kai auf der Schlossinsel soll so ein Zaun aufgestellt werden. Das berichtet heute Harburgs NDR-Reporter Werner Pfeifer auf 90,3.

Bezirksamtssprecherin Beatrice Göhring bestätigt das Vorhaben: „Der Zaun wird aus Sicherheitsgründen aufgestellt. Bei Festen auf dem neuen Kanalplatz könnten Leute in dem Gedrängel ins Wasser fallen.“ Seit der Bezirk Harburg von der Hafenverwaltung Hamburg Port Authority die Verantwortung für den Binnenhafen übernommen habe, müssten auch diese Aspekte berücksichtigt werden.

Als Stadtplanerin Birgit Caumanns, Eigentümerin des alten Kontorhauses (Baujahr 1850) der Spedition „Renck & Hessenmüller“ auf dem Kanalplatz und Vorstand der Harburger Geschichtswerkstatt, von dem Plan hörte, war sie entsetzt: „Gestalterisch ist das völlig daneben. Dieser Ort hat einen starken Hafenbezug, hier wurde seit 300 Jahren Umschlag betrieben. Der Zaun zerstört diesen historischen Kontext.“

Auch funktional sei er ein Unding.  Birgit Caumanns hat erfahren, dass der Zaun im Abstand von 1,50 Meter zur Wasserkante aufgestellt werden soll, unterbrochen von 75 Zentimeter breiten Durchlässen, die durch Ketten gesichert werden: „Wenn dort Schiffe anlegen: Wo sollen sie dann mit ihrer Gangway hin?“ Auch der historische Kulturkran am Lotsekai werde vom Wasser getrennt. In einem Brief an das Bezirksamt wollen Birgit Caumanns und ihre Mitstreiter aus der KulturWerkstatt Harburg gegen den Zaun protestieren. In dem preisgekrönten Entwurf des Architektenbüros Petersen, Pörksen & Partner für die Umgestaltung des Kanalplatzes (Kosten: 1,3 Millionen Euro aus dem Konjunkturprogramm) war jedenfalls kein Zaun vorgesehen.

Nach Informationen von harburg aktuell soll es auch im Bezirksamt Diskussionen über den Zaun gegeben haben. Offenbar hatte sich aber der Jurist und frühere Harburger Bezirksamtsleiter Torsten Meinberg (CDU) gegen seine Stadtplaner durchgesetzt – vermutlich beeindruckt von dem tragischen Tod des zwei Jahre alten Hasan, der am 30. Juni 2007 in Wilhelmsburg in einen Wassergraben gefallen und ertrunken war. Damals gehörte Wilhelmsburg noch zum Bezirk Harburg. Anwohner hatten das Bezirksamt vorher auf den fehlenden Zaun aufmerksam gemacht.

Der neue Bezirksamtsleiter Thomas Völsch (SPD) hat Meinbergs Einschätzung jetzt übernommen und die Ausschreibung für das Aufstellen des Zauns verschicken lassen. Amtssprecherin Beatrice Göhring: „Solange wir keine Angebote vorliegen haben, können wir auch nicht sagen, was der Zaun kostet.“ Mz