111128FischerHarburg - Das Leben am Karnapp, Harburgs zweitältester Straße, ist gesundheitsgefährdend. Das ist jetzt amtlich. Carl-Hennig von Ladiges, Leiter der Stadt- und Landschaftsplanung im Bezirksamt:

„Vor allem nachts werden die zulässigen Grenzwerte für Lärm drastisch überschritten.“ Und was tut das Bezirksamt dagegen? Es sorgt dafür, dass in Zukunft doppelt so viele Autos – vor allem Brummis zwischen den Autobahnen A1 und A7 – durch den Karnapp brettern.

 

Klingt ziemlich absurd, aber Harburgs Baudezernent Jörg Penner (GAL) will diesen Plan tatsächlich durchsetzen, das einstimmige Okay von der Bezirksversammlung hat er sich schon geholt. Nach Penners Vorstellungen soll der gesamte Durchgangsverkehrs im Binnenhafen in Zukunft über den Straßenzug Karnapp/Seevestraße geleitet werden – zur Freude der künftigen Bewohner in dem neuen Wohnquartier „Harburger Brücken“ am Schellerdamm. „Wenn wir hier attraktives urbanes Leben entwickeln wollen, können wir diesen Bereich nicht im Verkehr ersticken lassen.“, sagt Penner.

So sehen das auch die Mütter und Väter, die ihre Kids in der Kita am Schellerdamm betreuen lassen. Und auch Heinrich Wilke, Leiter der Immobilienabteilung der Süderelbe AG, sieht in der Vertreibung des Durchgangsverkehrs „eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung eines attraktiven Stadtquartiers am Wasser“.

Das waren bei der öffentlichen Diskussion des Bebauungsplans „Harburg 63“ aber Einzelstimmen. Im großen Saal des Harburger Rathauses war kaum noch ein Platz frei, und vor allem die Anwohner des Karnapps – unter ihnen „Kult-Grieche“ Dimitrios Kalligas, Birgit Przybylski von der KulturWerkstatt Harburg („meine Familie wohnt seit mehr als 100 Jahren am Karnapp“) und Pensionär Geerd Fischer, in der Stadtentwicklungsbehörde früher für den Binnenhafen zuständig.

Fischer ist bekannt für seine markigen Auftritte, da er erhebliches Insiderwissen hat, sind sie meist nicht ganz ohne Wirkung. Fischer polterte fast eine Viertelstunde, ließ sich auch von Moderator Muammer Kazanci (SPD) nicht bremsen, und stellte klar: „Dieser Bebauungsplan wird nie verwirklicht werden, denn er ist bis heute nicht finanziert.“ Das werde  also noch einige Jahre dauern, aber dann werde ohnehin die Hafenquerspange gebaut. Sie werde das komplette Gebiet spürbar entlasten. Fischer: „Wir sollten deshalb jetzt erst einmal alles lassen wie es ist. Alles andere wäre pure Steuerverschwendung.

Einmal in Fahrt riet Fischer der SPD: „Wenn sie jetzt den Bezirksamtsleiter abwählen, sollten sie den Baudezernenten gleich mit entsorgen.“ (mag)