110413TunnelHarburg - Wenn es nach Muammer Kazanci geht, nennt man in Zukunft den Schmuddel-Tunnel, der die Fußgängerzone mit der Seevepassage verbindet, nicht mehr Schmuddel-Tunnel. Es wäre Stigmatisierung.

Wie die heruntergekommene Bausünde sonst passend genannt werden soll, bleibt sein Geheimnis. Man wird sich noch lange darüber Gedanken machen können. Kazanci und seine Genossen der SPD haben beschlossen, dass die Harburger auch in Zukunft den Tunnel erdulden müssen. Wenn es nach ihm geht sogar sehr lange.

„Die SPD bekennt sich zu dem Tunnel“, sagt Kazanci. Man wolle Klarheit schaffen und Stillstand überwinden. Außerdem, so hat die SPD plötzlich bemerkt, sei der Tunnel „bequem“ und „sicher“.  Unterstützung bekamen die Genossen von der CDU. Die findet den Tunnel zwar nicht ansatzweise so toll, Ralf-Dieter Fischer führt dafür pragmatische Punkte an. Passieren wird nach Einschätzung des CDU-Fraktionsvorsitzenden und Rechtsanwalts dort nichts.

Das liegt an dem schwelenden Rechtsstreit zwischen der Stadt und dem Eigentümer des immer mehr verfallenden und zu großen Teilen leer stehenden Harburg Centers. Der ist in der ersten Instanz und kann sich gut und gern noch sieben oder mehr Jahre hinziehen. Die CDU sieht, so Fischer, im Gegensatz zur SPD das Festhalten an dem Tunnel als eine „Übergangslösung“.

Zuvor hatte Bezirksamtsleiter Torsten Meinberg noch einmal gewarnt. Die neue Richtung sei ein „Paradigmenwechsel“. Sämtliche Pläne zur Steigerung der Attraktivität der Harburger Innenstadt würden über den Haufen geworfen, die eine neu gestaltete überirdische Zusammenführung von Seevepassage und Fußgängerzone als ein funktionierendes Verbindungsstück zwischen Karstadt und Phoenxi-Center sehen. „Die Innenstadt wird sich kein Stück in die Richtung weiter entwickeln, wenn der Tunnel bleibt“, sagt Meinberg. Viel machen kann man an dem Bauwerk laut Meinberg nicht. Die zur Verfügung stehenden Mittel reichten allenfalls ihn „aufzuhübschen“. Dazu würden sich alle Veränderungen weitgehend auf die untere Hülle beschränken. Die Statik verhindere, dass oberirdisch größere Veränderungen erfolgen könnten.

Keinen Einfluss wird die „Aufhübschung“ auf das Harburg Center haben. Das sei eine „klaffende Wunde“ und dem „Verfall preisgegeben“, so Meinberg. Der Bezirk denke darüber nach dem Eigentümer „Erhaltungsmaßnahmen“ aufzuerlegen. „Eigentum ist auch in Harburg verpflichtend“, so Meinberg.

Für SPD-Fraktionschef Jürgen Heimath ist das Konzept eines Bindegliedes für den Tunnel ohnehin überholt. Die alte Harburger Haupteinkaufsstraße sei einfach zu unattraktiv, so seine Feststellung. Das sei der Grund, warum es im Phoenix-Center „brummt“ und dort nicht. zv