110512WetternstrasseHarburg - Der Bezirk Harburg soll seine Unterbringungsmöglichkeiten für Asylbewerber, Flüchtlinge und Wohnungslose fast verdoppeln. Die Zahl der Plätze, so die Vorgabe aus Hamburg, soll von 524 auf 959

erhöht werden. Die Bezirkspolitik ist alarmiert. Angesichts der bereits vorhandenen Sozialstruktur im Harburger Kernbereich geht man von einem negativen Einfluss auf den Bezirk aus.

 

Offiziell geht es um Flüchtlinge aus Nordafrika, für die man Unterbringungsmöglichkeiten schaffen will. Hinter vorgehaltener Hand wird aber von einem Bedarf für Flüchtlinge aus Südosteuropa gesprochen. 1.530 neue Plätze sollen dafür durch Verdichtung und Neubau von Unterkünften geschaffen werden.

Zuständig ist "Fördern und Wohnen". "Bei uns leben obdach-  und wohnungslose Menschen, Flüchtlinge und Asylbewerber, Menschen mit geistigen und mehrfachen Behinderungen, psychischen oder psychosozialen Beeinträchtigungen sowie Suchterkrankungen", heißt es in der Eigenwerbung des Unternehmens, das der Stadt gehört.

Bislang hat Harburg mit 524 Plätzen die wenigsten Unterbringungsmöglichkeiten in Hamburg. "Das ist angesichts der Sozialstruktur auch richtig so", sagt Ralf-Dieter Fischer, Kreischef der CDU. "Der Bezirk verträgt kaum mehr." Erst kürzlich hatte man festgestellt, dass im Süderelberaum die Zahl der Harz IV-Empfänger drastisch gestiegen ist. Vor allem den Kernbereich Harburgs, der ohnehin von den schlechteren Wohngegenden geprägt ist und zahlreiche soziale Brennpunkte hat, wäre von einer zusätzlichen Belastung durch die Unterbringung betroffen. Denn in Hamburg hat man ganz konkrete Vorstellungen, wo die Plätze entstehen sollen.

Der Standort Wetternstraße soll ausgebaut werden. Bislang sind dort 170 Plätze. Geplant ist eine Verdichtung um 150 bis 200 Plätze. Gleich nebenan, auf dem Grundstück Zehntland, kann sich F+W einen Neubau vorstellen. Dagegen läuft der Bezirk Sturm. Gerade eine Ballung der sozialen "Kummerfälle" sieht man als nicht verträglich an.

Ein Auge hat F+W auch auf die alte Polizeiwache an der Nöldekestraße geworfen. Bis zu 150 Personen sollen dort untergebracht werden. Unter der Nazi-Herrschaft war das Gebäude Sammelstätte für Transporte ins KZ gewesen.

An der Bremer Straße 242b könnten laut F+W das leerstehende Gebäude, in dem eine Einrichtung der Behinderthilfe war, Unterbringungsplätze geschaffen werden.

Auch die Obstbauern könnten neue Nachbarn bekommen. Die leerstehenden Häuser an der Hasselwerder Straße hält F+W als Wohnunterkünfte geeignet.

Der Bezirk gibt sich politisch korrekt. "Bezirksamt und Bezirksversammlung unterstützen grundsätzlich die Bemühungen", heißt es in einem internen Papier. Man präferiere aber die Schaffung von kleineren Einrichtungen. Die könnten besser im jeweiligen "Sozialraum" integriert werden.