101223TUHarburg - Kurz vor Weihnachten haben Studierende der TU Hamburg-Harburg die Initiative „Studenten helfen Studenten“ aus der Taufe gehoben, um Geld für den krebskranken Vater ihrer albanischen Kommilitonin Anisa Rizvanolli zu sammeln.

Mit Sammelbüchsen zogen die angehenden Ingenieure und Ingenieurinnen bei frostigen Temperaturen in der Woche vor dem vierten Advent über den Campus, verkauften Glühwein, selbstgebackene Kekse und Kuchen.

Das Ergebnis dieser innerhalb nur einer Woche organisierten und durchgeführten Eil-Aktion „Hilfe für Anisa“ ist auch ein Indiz für die große Hilfsbereitschaft, die die engagierten Studierenden auf dem Campus angetroffen haben: 3506, 30 Euro sind für die chemotherapeutische Behandlung von Muharrem Rizvanolli zusammengekommen.

Womit die angehenden Ingenieurinnen und Ingenieure der TU Hamburg-Harburg auch bewiesen haben, dass sie im Umgang mit menschlichen Notlagen nicht weniger erfinderisch sind als bei der Lösung technischer Probleme. „Mich haben die intensive Hilfsbereitschaft und das außergewöhnliche Engagement beeindruckt, mit der diese Aktion durchgeführt wurde“, sagte TUHH-Präsident Prof. Dr.-Ing. Edwin Kreuzer.

„Uns ist klar, dass Anisa kein Einzelfall ist, und viele Menschen Probleme haben“, sagt Raphael Fischer.Aber Anisa liegt uns besonders am Herzen, und darum wollten wir ihr helfen.“ So wie der Elektrotechnikstudent dachten viele, die die Aktion „Hilfe für Anisa“ unterstützten, allen voran der AStA, die Fachschaften und die studentischen Arbeitsgemeinschaften. Manche spendeten direkt und überrreichten Anisa persönlich Geld für die medizinische Behandlung ihres Vaters. Denn die Geschichte hatte sich auf dem Campus schnell herum gesprochen, nachdem alle Studenten und Mitarbeiter per Mail über das Schicksal informiert worden waren.

Bei dem 64-jährigen Techniker war vor drei Wochen Krebs an der Bauchspeicheldrüse diagnostiziert worden, und es musste schnell etwas getan werden, aber in Albanien kann ihm aus medizinischen Gründen nicht geholfen werden. Da Deutschland mit Albanien kein Sozialabkommen hat, müssen alle medizinischen Behandlungen von der Familie komplett selbst bezahlt werden, obwohl sie in Albanien krankenversichert sind. Die Hilfsorganisationen, an die Anisa sich gewandt hatte, wiesen sie jedoch ab.    

„Die Verzweiflung ist groß“, schrieb der AStA in seiner Mail am 13. Dezember an alle Studierenden der TUHH. „Zum einen hat Anisa große Angst um ihren Vater und davor, ihn zu verlieren, weil das Geld nicht reicht. Sie arbeitet neben dem Studium, um dieses zu finanzieren. All ihr Geld hat sie nun schon für den Vater ausgegeben. Und nun fürchten wir darum, dass Anisa nicht nur ihren Vater, sondern auch die Möglichkeit des Studiums wegen des Geldes verliert.“ Einen Tag später startete die Aktion „Studenten helfen Studenten“, organisiert von Raphael Fischer und Maja Meiser, Sekretärin im AStA. Anisa, mathematisch sehr begabt, studiert im neunten Semester Informatik-Ingenieurwesen und spricht ein nahezu akzentfreies Deutsch, das sie sich während ihres Studiums angeeignet hat. Sobald sie ihr Diplom hat, möchte sie am liebsten an der TUHH zunächst promovieren und danach als Elektrotechnik-Ingenieurin in Deutschland arbeiten.  

Parallel zum Verkauf von Glühwein, Keksen und Kuchen sammelten Studierende in den einzelnen Gebäuden sowie nach den Vorlesungen am Ausgang der Hörsäle. Professoren, namentlich Mathematik-Professor Wolfgang Mackens, unterstützten ebenfalls die Aktion, in dem sie zu Beginn der Vorlesungen kurz auf die Notlage der Familie der Studentin hinwiesen und zum Spenden aufriefen, nicht ohne selbst mit gutem Beispiel voranzugehen und ihren finanziellen Teil zum Ganzen beizutragen. Mit einem dreistelligen Betrag beteiligte sich der TUHH-Chor SingING, in dem er die Hälfte seines Konzerterlöses vom 15. Dezember für diesen Zweck spendete.

Mit den Tränen kämpfend, sprachlos vor Glück über die Hilfsbereitschaft der TUHH und das Engagement der Studenten nahmen Anisa und ihr Vater am vierten Advent die frohe Botschaft vom Erlös der Sammelaktion entgegen. „Wir sind überwältigt“, sagt die 23-Jährige, „diese Unterstützung hilft uns finanziell, vor allem aber macht diese Hilfe uns Mut, nicht aufzugeben.“ Voraussichtlich direkt nach Weihnachten wird die chemotherapeutische Behandlung ihres Vaters in Hamburg beginnen. „Wir danken allen, die uns, meinem Vater und mir, meiner Mutter und meinen beiden Schwestern geholfen haben“, sagte die älteste von drei Mädchen. Als zwei zufällig vorbeigehende Mitarbeiter mit den besten Wünschen für die Weihnachtstage Vater und Tochter eine Spende in die Hand gaben, gab es Tränen vor Glück.