101029MP1Harburg - Abreißen - zumindest große Teile der Innenstadt. Das ist die Empfehlung der Stadtplanungsunternehmen Convent, Elbberg und der BulwienGesa AG, die im Auftrag des Citymanagements einen Masterplan für Harburg erstellt haben. Danach sollen Bereiche wie die “Schippseehöfe”, das “Ringentrée”, das “Wall-Quartier”, eine offene Einkaufszone

oder der “Kubus am Sand” entstehen.

Die Empfehlung ist ihre Antwort auf die Misere der Harburger Innenstadt. Die wird laut Experten vom Handel mittlerweile deutlich schlechter als Bergedorf bewertet. Dabei, so belegen es die Zahlen des Phoenix-Centers, ist Harburg für Kunden hoch attraktiv. Das Center der Gruppe ECE gilt als besonders erfolgreich. In Harburg realisiert es die Hälfte des Jahresumsatzes von rund 350 Millionen, die der Einzelhandel hier erzielt. Dabei macht das Center lediglich 29 Prozent der Einzelhandelfläche aus. “Man muss sich die Frage stellen, warum das Phoenix-Center das schafft und der Rest nicht”, so die Ansage des Experten an die Ausschussmitglieder. Seine Feststellung: Harburg ist verbaut. So kann er sich nicht vorstellen, dass ein Gebäude wie das Harburg-Center für den Handel attraktiv ist.

Die Zuschnitte der Geschäfte in der Lüneburger Straße sind überholt. Das Harburg-Center, das C&A-Gebäude, die Parkhäuser am Schippssee, Schuh-Kai, dann auch die Harburg Gallery und selbst Karstadt, so die Idealvorstellung, sollten durch Neubauten ersetzt werden.

Der Herbert-Wehner-Platz soll eine zentrale Bedeutung bekommen. Der Schippsee soll in eine Landschaftsbrücke übergehen, die die Innenstadt über die Bahnlinie hinweg mit dem Binnenhafen verbindet. 800 neue Wohnungen sollen Leben in die Stadt bringen. “Bestehende Strukturen müssen in Frage gestellt werden”, so eine Aussage der Experten zu dem Masterplan, der in mehreren Schritten bis 2050 umgesetzt werden soll. Jetzt muss die Politik entscheiden, ob sie diesen Weg gehen will. Sollte das so sein, wird der Plan vermutlich nicht eins zu eins umgesetzt. "Vieles wird gelingen. Anderes nicht", sagt Baudezernent Jörg Penner.


“Das eine ist eine Vision, das andere die Realität”, sorgte sich Ronald Preuß, Fraktionschef der GAL. Er wies darauf hin, dass man selbst die Verlegung der Markttoilette bislang nicht hinbekommen hat. Das man schnell in Kleinteiligkeit abgleiten kann, zeigten sein Parteikollege Kay Wolkau, dessen größte Sorge der Möglichkeit der Einrichtung einer Straße als “Shared Space” oder der SPD-Politiker Frank Wiesner, dessen herausragende Sorge bei dem Thema scheinbar der Frage der Barrierefreiheit bei einem Übergang über die Bahn galt.

Ralf-Dieter Fischer (CDU) brachte das Thema Bahnstrecke ins Spiel, die man am liebsten ganz abschaffen möchte, um dann Innenstadt und Hafen zu vereinen. Echten Einfluss hat die Harburger Politik darauf nicht.

Jochen Winand, zuständig für die Projektsteuerung beim Citymanagement, hatte für solche Gedankenspiele wenig Verständnis. “Darauf zu warten, dass Harburg sich erst entwickeln kann, wenn die Bahn weg ist, dafür habe ich zu wenig Geduld.” zv

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