Ausgrabung

Harburg - Die Gruben werden wieder verfüllt, die letzten Befunde vermessen und die archäologischen Funde verpackt: Nach sechs Monaten

Grabungstätigkeit in unmittelbarer Nähe zur Hafencity und zur Elbphilharmonie, im Bereich der sogenannten „Cremon-Insel“, zieht das Archäologische Museum in Harburg eine positive Bilanz. Die Ausgrabung brachte eine Fülle von neuen Erkenntnissen zur Hamburger Siedlungsgeschichte.

Seit dem Frühling 2017 hat das Archäologische Museum in Harburg wie berichtet auf der Suche nach der frühen Geschichte der Hansestadt eine Grabungsfläche von etwa 240 Quadratmetern archäologisch betreut. Zum einen ging es darum, dem Boden an einem geschichtsträchtigen Ort seine letzten Geheimnisse zu entlocken, bevor das Areal erneut überbaut wird und alle archäologischen Spuren vernichtet. Zum anderen sollten Erkenntnisse zur Siedlungsentwicklung, Wirtschaftsweise, aber auch zum täglichen Leben der damaligen Bewohner Hamburgs gewonnen werden.

Eine Reise durch die Schichten: Was haben die Archäologen gefunden? Auf der heute kaum noch als Insel zu erkennenden Cremon-Insel untersuchten die Archäologen auf dem Gelände „Bei den Mühren 2-5“ die hinteren Bereiche der Grundstücke, die im Norden an das 1946 zugeschüttete Katharinenfleet - die heutige Straße Katharinenfleet - grenzen. Die ältesten Stadtabbildungen, auf denen die Cremon-Insel deutlich zu erkennen ist, stammen aus der Zeit um 1585 und 1588. Auf diesen ist bereits eine kleinteilige Parzellierung mit Hausbebauung bis zum Katharinenfleet hin zu sehen.

Im Laufe der Jahrhunderte haben sich in dem Gebiet viele Bauschichten übereinander abgelagert. Diese Schichten erzählen von den Anfängen der Stadt und verschiedenen Besiedlungsphasen. Besonders interessierte die Archäologen, wann die Cremon-Insel erstmalig besiedelt wurde, wie diese Erstbesiedlung stattfand und sich die einzelnen Grundstücksparzellen entwickelt haben. Auf diese Fragen kann die Archäologie nun Antworten geben.

Fast sechs Meter unter dem heutigen Straßenniveau konnten die ältesten Siedlungsspuren, die in das 12. bis 13. Jahrhundert datieren, entdeckt werden. Die Oberfläche der Cremon-Insel lag zu dieser Zeit nur wenig höher als der Wasserspiegel der Elbe, wodurch sie nur bedingt zur Besiedlung geeignet war. Bisher wurde davon ausgegangen, dass zur Erstbesiedlung eine Eindeichung der Insel durchgeführt wurde. Inzwischen gehen die Archäologen aber davon aus, dass das Gebiet nur durch einen Graben entwässert wurde.

Außerdem fanden sie heraus, dass die ersten großen Grundstücke, die im 12./13. Jahrhundert entstanden, bis in das 14./15. Jahrhundert bestehen blieben. Erst dann wurden sie in kleinere Parzellen geteilt und blieben so bis in das 20. Jahrhundert bestehen. Unterteilt wurden die einzelnen Grundstücke durch Gräben, die nach Norden ins Katharinenfleet entwässerten. Erst im 16. Jahrhundert setzte eine Bebauung der Hinterhöfe mit sogenannten Fleetspeichern ein.

Die Arbeit der Archäologen geht weiter Insgesamt wurden etwa 6000 Funde erfasst, die nun Aussagen zum sozialen Milieu, den Handelsbeziehungen und der Wirtschaftsweise ermöglichen. Besonders begeistert waren die Archäologen von der außergewöhnlich guten Erhaltung der Holzfunde. Der feuchte Boden konservierte die Fundstücke ungewöhnlich gut, so dass zahlreiche dendrochronologische Untersuchungen durchgeführt werden konnten, um eine Datierung der verschiedenen Siedlungsperioden zu ermöglichen. „Um die Befunde wissenschaftlich richtig einordnen zu können, müssen wir das gesamte Material nun sichten und dokumentieren“, so der Grabungsleiter Kay-Peter Suchowa. Ein Puzzle, das von den Archäologen nun zusammengesetzt werden muss und sicherlich weitere spannende Erkenntnisse bringen wird. (cb)