Harburg - Der gewaltsame Tod der zwei Jahre alten Aysha in Neugraben, der nach Erkenntnissen der Mordkommission von ihrem eigenen Vater die Kehle durchgeschnitten wurde,

wird ein behördeninternes Nachspiel haben. Das Bezirksamt wird die Jugendhilfeinspektion um eine anlassbezogene Prüfung im Fall des getöteten Mädchens bitten. Der Schritt wurde von Bezirksamtsleiter Thomas Völsch direkt veranlasst. Zudem will man sich mit Fragen des "kultursensiblen Kinderschutzes" beschäftigen.

„Das Jugendamt hat die Familie betreut und unterstützt die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Zeitgleich haben wir unser eigenes Handeln kritisch hinterfragt und wollen dies in einem zweiten Schritt zusammen mit der Jugendhilfeinspektion tun", so Völsch. Das Fachamt Jugend- und Familienhilfe hat dafür bereits eine Fallchronik erstellt, die die Grundlage für eine interne Bewertung des jugendamtlichen Handelns – auch durch die Fachaufsicht in der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration – sein wird. Das Bezirksamt habe sich anschließend darauf verständigt, den Fall gemeinsam mit der Jugendhilfeinspektion vertieft aufzuarbeiten.

Dabei soll es auch um "kultursensiblen Kinderschutz" gehen. Dahinter steht die einfache Frage, ob die Vorgaben und Angebote, die die  Behörde macht, überhaupt bei Familien mit speziellem Migrationshintergrund, im konkreten Fall handelt es sich um eine pakistanische Familie, ankommen. Zudem soll es auch um eine interne Aufarbeitung gehen, weil Mitarbeiter der Jugendhilfe wegen der Erfolglosigkeit ihrer Maßnahmen frustriert sein könnten.

Im konkreten Fall hatte sich die Jugendhilfe lange um die Familie, insbesondere die Frau, gekümmert. Sie war schon lange bevor sie den jetzt wegen des Kindermordes in Spanien verhafteten 33-Jährigen geheiratet hatte, in Betreuung. Und das offenbar sehr intensiv. Über einen Träger soll sie wöchentlich ein Betreuungsangebot über 15 Stunden bekommen haben, weil es auch im Zusammenhang mit ihrem Partner, von sie ihren sechs Jahre alten Sohn hat,, Probleme gab. Mehrfache Angeboten ins Frauenhaus zu gehen oder eine dauerhafte Wegweisung gegen ihren zweiten Mann zu erwirken, die gegen sie und ihren Sohn gewalttätig geworden war, nahm sie nicht an.

„Wir stellen uns eine Reihe von Fragen, mit denen wir in unserer täglichen Arbeit immer wieder konfrontiert werden", so Sophie Fredenhagen, Leiterin des Harburger Jugendamtes. Das scheint öfters im Zusammenhang mit Familien mit Migrationshintergrund zu passieren. Daher stellt sie sich selbst vor dem Hintergrund Auswirkungen von laufenden Asylverfahren aber auch patriarchalisch geprägte innerfamiliäre Beziehungen die Frage: "Können unsere Methoden zum Hilfebedarf von Familien aus anderen Kulturkreisen angenommen werden?" Bis die Antworten gefunden sind, will man sich in Schweigen hüllen. Nach der internen Aufarbeitung sollen parlamentarischen Kontrollgremien und die Öffentlichkeit informiert werden.

Die Linke übt Kritik. Fragwürdig sei, dass wieder auf das Instrument der anlassbezogenen Jugendhilfeinspektion zurückgegriffen wird. "Mittlerweile wissen wir aus Untersuchungen und Befragungen, dass dieses Mittel der Dienst- und Fachaufsicht in den Jugendämtern wenig Vertrauen genießt und keinen substanziellen Beitrag zu einer qualitativen Weiterentwicklung der Arbeit im ASD leistet", so die Bürgerschaftsabgeordnete Sabine Boeddinghaus. Zudem dürfe nach ihrer Ansicht der Aspekt der Gewaltproblematik des Vaters im konkreten Fall nicht zuallererst auf den kulturellen Hintergrund verengt werden. zv