Harburg – Die Mitteilung kam am 4. November. In einem dünnen Schreiben teilten die verantwortlichen Mitarbeiter der Asklepios-Klinik Harburg dem Personal

mit, dass die Geburtshilfe im Krankenhaus bereits zum Ende des Jahres und nicht, wie bislang im Haus und der Öffentlichkeit wahrgenommen, Mitte kommenden Jahres geschlossen wird. Den Grund will Ralf-Dieter Fischer (CDU) wissen. Dem Krankenhaus laufen die Mitarbeiter in dem Bereich weg. Er ist nicht der einzige Politiker, der sich mit dem Thema des ausgiebig beschäftigt. Auch Claudia Loss (SPD) und der Bürgerschaftsabgeordnete Kurt Duwe (FDP), haben das Thema auf der Agenda.

Was von der Gesundheitsbehörde als sinnvoller Schritt dargestellt wird, die Schließung gynäkologischen und der Geburtsabteilung im Krankenhaus Harburg und im Gegenzug die Beschränkung der Notaufnahme im Mariahilf auf Kind und gynäkologische Patienten, sieht Fischer als Katastrophe. Er kann sich sogar vorstellen, dass am Ende die Schließung des Krankenhauses Mariahilf droht. Seine Begründung: „Etwa 50 Prozent der Patienten, die auf den Stationen aufgenommen werden, kommen über die Notaufnahme“, sagt er. Fehlen diese Patienten, könne sich irgendwann die Frage der Wirtschaftlichkeit für den Träger stellen.

Das ist nicht der einzige Kritikpunkt. Claudia Loss und Fischer monieren ebenfalls, dass mit der Schließung der Geburtshilfe im Krankenhaus Harburg der einzige hebammengeführte Kreissaal in Hamburg verschwindet. Bundesweit gibt es davon 18. Die Antwort des Senats auf eine Kleine Anfrage des Bürgerschaftsabgeordneten Duwe zeigt, dass dieses Thema in der Vergangenheit nicht richtig bewegt wurde. „Die Neuordnung der Geburtenversorgung ermöglicht auch eine Neuorientierung in der HELIOS Mariahilf Klinik Hamburg, daher ist auch hier die Einrichtung eines Hebammen-Kreißsaals möglich. Aktuell befindet sich das Krankenhaus hierzu in Gesprächen“, heißt es vom Senat. Ob sich die Helios-Klinik ihr Zepter im eigenen Haus aus der Hand nehmen lässt, bleibt abzuwarten. Hebammen werten die Zusammenlegung als Rückschritt durch eine Reduzierung des Angebots. „Eine Geburt in einem von Hebammen geführten Kreissaal ist etwas ganz anderes, als eine Klinikgeburt“, sagt eine Hebamme.

Über das Motiv für die Reduzierung des Angebots im Bereich Harburg herrscht ebenfalls Uneinigkeit. Die Stadt hangelt sich an der Begrifflichkeit „Optimierung“ entlang. „Die zuständige Behörde hält die Konzentration der geburtshilflichen und gynäkologischen Versorgung an einem Standort in Harburg für sehr sinnvoll und für eine große Chance zur Optimierung der Versorgung. Die gleichzeitige Neuordnung der Notfallversorgung ermöglicht eine Optimierung von Ressourceneinsatz und organisatorischen Abläufen“, heißt es ein wenig schwammig. Zudem wird suggeriert, dass die Qualität unter der niedrigen Zahl der Geburten leidet. „Die zuständige Gesundheitssenatorin begründet den Senatsbeschluss damit, dass im Sinne einer qualitativ besseren Patientenversorgung die jeweils vorhandenen Stärken der Kliniken ausgebaut und für die Versorgung besser genutzt werden sollen", meint die Bürgerschaftsabgeordnete Birgit Stöver (CDU). "Das lässt den Rückschluss zu, dass Geburtenabteilungen mit kleiner Geburtenzahl von der Behörde einen mangelnden Qualitätsnachweis erhalten und somit in Hamburg all die Geburtsabteilungen auf dem Prüfstand stehen, die weniger als eine von der Behörde zu definierende Anzahl an Geburten nachweisen können“. Im Krankenhaus Harburg kamen in vergangenes Jahr 740 im Mariahilf 1700 Kinder zur Welt. In Expertenkreisen wird die Zahl von  500 Geburten genannt, die jährlich nötig sind, um eine qualitativ gut aufgestellte Geburtenabteilung zu betreiben. Dass das Krankenhaus Mariahilf besser bei der Versorgung von sogenannten Frühchen aufgestellt ist und war, ist kein Geheimnis.

Ein weiterer Kritikpunkt bei der Zusammenlegung ist der Umgang des Stadt mit Steuergeldern. Auf Anfrage von Duwe muss der Senat einräumen, dass in den letzten drei Jahren knapp fünf Millionen Euro als Fördergelder in die Abteilungen der Krankenhäuser geflossen sind, die jetzt geschlossen oder stark beschnitten werden. Die Neustrukturierung selbst wird noch einmal Geld kosten. Das irritiert umso mehr, als dass Helios gerade erst den Neubau des Mariahilf Ende Mai eröffnet.

Schlechter dürfte vor allem die Versorgung von Notfallpatienten oder solche, die sich dafür halten, werden. Mit dem Wegfall der Anlaufstelle Mariahilf wird es nur noch die Notaufnahme im Krankenhaus Harburg geben. Und die ist bereits jetzt gut ausgelastet. Dabei gehen Experten davon aus, dass es in Zukunft noch mehr Andrang in den Notaufnahmen geben wird. zv