100609TrinkerHarburg - Die Trinkerszene auf dem Rathausplatz darf feiern. Die Politik hat ihren zentralen Standort für mindestens ein Jahr mit Steuergeldern gesichert. Das gleiche gilt für die gut frequentierten Säufer-Treffs in Neugraben. 100.000 Euro fließen

in das Projekt "Arbeitsmarktpolitische Aktivierung alkoholkonsumierender Personen im öffentlichen Raum". 50.000 Euro steuert die EU über den Bund bei. 30.000 Euro kommen vom Bezirk. Je 5000 Euro werden aus dem Topf für das "Entwicklungsgebiet Neugraben-Zentrum" und "Sanierungsgebiet Phoenix-Viertel" abgezwackt. 10.000 Euro kommen von der Sicherheitskonferenz Harburg. Das Geld wird in erster Linie für Personalkosten drauf gehen. Das Konzept: Direkt an ihren angestammten Plätzen sollen Trinker von Sozialarbeitern aufgesucht werden. Diese versuchen dann die Trinker davon zu überzeugen, dass geregelte Arbeit besser für sie ist. Ein vergleichbares Projekt gab es in Frankreich. Dort funktionierte es nicht.
In Harburg ist die Maßnahme als Modellprojekt auf zunächst ein Jahr angelegt. Gelder für ein weiteres Jahr stehen bereit. Damit wird es vermutlich in dieser Zeit keine Maßnahmen geben, die auf eine Zerschlagung der Trinkerszene abzielen. Die ist so dominant, dass kürzlich beim Kinderfest der "Budnianer" vom Veranstalter Trennwände als Sichtschutz aufgebaut werden mussten, damit den Kleinen nicht die ganze Zeit über vorgesoffen wird.
Dabei wäre eine Zerschlagung des Trinker-Treffs problemlos möglich. Der Rathausplatz ist als eine Grünanlage ausgewiesen. Ein Alkoholverbot wäre dort möglich. Doch auf die Polizei mag die Politik in diesem Fall nicht setzen. "Es gibt Befürchtungen, dass die Szene sich nur verlagert", sagt CDU-Kreischef Ralf-Dieter Fischer. Diesen Ansatz hatten die Politiker bei der Zerschlagung der Drogenszene an der selben Stelle nicht. Tatsächlich, so wird in der Politik hinter vorgehaltener Hand gemunkelt, ist der Koalitionspartner der CDU nicht willens diesen Weg zu gehen.
Wie beliebt der Harburger Rathausplatz bei Trinkern ist, war am Mittwoch zu sehen. Die Bänke sind gut genutzt. Mülleimer und Stromkästen dienen als Halter für Bierflaschen. Eine Mutter ist mit ihrer Tochter gekommen. Das Mädchen, noch ein Kind, sitzt zwischen den Trinkern. zv