HansFitzeHausHarburg – Eigentlich sollte die Einrichtung des Trinkertreffs im Hans-Fitze-Haus dem Rathausplatz eine deutliche Entlastung bringen. Das war eine Fehleinschätzung

der Politik. Der Harburger Rathausplatz ist weiter zentraler Treffpunkt der Trinkerszene geblieben. „Ich hatte mir mehr davon versprochen“, sagt dann auch der CDU-Abgeordnete Reiner Bliefernicht. „Bislang wurde viel in das Projekt reingesteckt.“ Rausgekommen sei „eigentlich nichts“. „Wir haben eher mehr Klientel nach Harburg geholt“, so Bliefernicht. Das liegt auch am Konzept der Einrichtung, die sich nicht nur an menschliche Kummerfälle im Harburger Kernbereich, sondern im ganzen Bezirk wendet. So soll das Hans-Fitze-Haus nicht nur Treffpunkt der Trinkerszene sein. Allgemein sollen "Menschen mit Suchthintergrund“ die Möglichkeit haben während der Öffnungszeiten „zwanglos mit anderen Menschen zusammenzukommen und sich auszutauschen“. Daneben gibt es Beratungs- und Hilfsangebote, die sich nicht nur an Trinker, sondern auch Abhängige harter Drogen oder Osteuropäer richten, die sich in sozialer Schieflage befinden.

Dass die vor allem von der Dominanz der Säufer-Kultur auf dem Rathausplatz genervten Restbevölkerung in ihren Erwartungen enttäuscht sein dürfte, liegt auf der Hand. Zumal bei der Eröffnung des Hans-Fitze-Hauses Bezirksamtsleiter Thomas Völsch klar gemacht hatte, dass die Einrichtung der Innenstadt Entlastung bringen soll.

Trotzdem wird weiter gemacht. Das hat die GroKo aus SPD und CDU entschieden. Das liegt wohl auch daran, dass die EU noch einmal ihre Schatulle öffnet und Gelder aus dem Sozialtopf in Aussicht stellt und das Hans-Fitze-Haus eines der Lieblingsprojekte der SPD war, die dafür sogar Ausfahrt nach Kiel machte, um sich dort Indor-Saufen in einer bereits bestehenden Einrichtung anzuschauen. Dort hatte 2010 das „Sofa“ eröffnet, ein Trinkertreff der damals vom Spiegel als „derzeit aufregendsten Filiale des deutschen Sozialstaats“ bezeichnet wurde.

Einer der sich dort auskennt ist Cetin Yildirim von Pickardt, Ratsherr der CDU in der Ratsversammlung Kiel. Er sieht einen Trinkerraum als einen Mosaikstein in einem Bündel von Maßnahmen, die gegen eine offene Trinkerszene nötig sind. Dabei schließt er Repression mit ein. „Menschen aus der Trinkerszene haben oft viele verschiedene Probleme, die aufeinander treffen. Man muss auch in Betracht ziehen, dass solche Einrichtungen ein zusätzlicher Anziehungspunkt sind“, sagt er. Zudem würde eine Mischung von verschiedenen Gruppen Süchtiger, als Alkohol- und Drogenabhängiger, zusätzliches Gefahrenpotenzial bergen. Beispielsweise der Umstieg auf härte Rauschmittel. Insgesamt aber hätten sich in Kiel Trinkerräume als Mosaikstein bewährt. Man solle aber nicht zu große Hoffnungen damit verbinden. „Selbst wenn sie 20 Prozent einer Trinkerszene ansprechen, wird es der Bürger kaum registrieren.“ Zudem seien die Öffnungszeiten begrenzt. Das Alkoholproblem gebe es aber rund um die Uhr.

In Harburg wird das Hans-Fitze-Haus weitere bestehen. Zu reprässiven Maßnahmen auf dem Rathausplatz konnet und kann sich die Politik nicht durchringen. Der Bezirk beteiligt sich in den kommenden vier Jahren mit 128.000 Euro aus Bezirksmitteln an dem Hans-Fitze-Haus. zv

Veröffentlicht 10. März 2016