160304WalterHarburg – Wohnungsbau. Das ist das zentrale Thema in der Hamburger Stadtentwicklung. Das erfuhren die rund 150 Gäste, die zur Monatveranstaltung des Wirtschaftsvereins,

die erstmals im Speicher am Kaufhauskanal stattfand gekommen waren, aus kompetentem Mund. Oberbaudirektor Jörn Walter war nach Harburg gekommen. Vor dem, Hintergrund der Ereignissen des letzten Jahres und dessen, was wir für die nächsten Jahre erwarten vor allem vor einer ganz großen Aufgabe stehen“, so Walter mit Blick auf die Flüchtlingswelle. Das ist der Wohnungsbau. Walter erwartet ein „Wachstumsschub“, mit dem alle in den letzten Jahren in dem Umfang nicht gerechnet hätten. Jetzt stehe man vor einer „Herausforderung mit vielen Facetten“. Man rechne nicht mit einem Wachstum von 8000 bis 10.000 Personen im Jahr, was dem Durchschnitt der letzten Jahre entspreche. „Die Zahle wird auf 20.000 und vielleicht darüber hinaus oder darüber hinaus laufen“, so Walter. Man müsse davon ausgehen, dass Hamburg Mitte der 2020er Jahre tatsächlich bei den 1.9 Millionen Einwohnern sei und auch die 2-Millionen-Marke knacke. Damit sei klar: „Alles was wir bisher so an Programmen für Wohnungsbau hatten, muss grundsätzlich neu überdacht werden. Und es muss ein völlig anderes Tempo hinein, damit wir diese Aufgabe bewältigen“, so Walter. Das werde das Gesicht der Stadt verändern. Walter machte auch klar: „Wir können uns dieser Aufgabe nicht entziehen.“

Der Oberbaudirektor plädiert für eine deutliche Verdichtung beim Wohnungsbau. Dabei werden man auf eine Gleichbehandlung der Stadtteile und Bezirke untereinander achten. Dazu forderte Walter dass wir mit „wir das viele Geld, das wir darein in den kommenden Jahren investieren müssen“, dauerhafte Wohnungen und nicht temporäre Unterkünfte  errichten. Darauf sei man weder mit den bisherigen Flächennutzungsplänen noch mit den Stadtentwicklungskonzepten eingestellt. „Deshalb muss man darüber reden, wo und wie wir dieses Wachstum der Stadt tatsächlich unterbringen“, so Walter Damit man eine Vorstellung hat: Die Hafencity, der größte Wohnungsstandort überhaupt in der Stadt, wird nach Umsetzung der Planungen etwa 6000 Wohnungen haben.

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Die ehemaligen Kasernenbauten, die laut Walter nicht gewerbe sonder Wohnungen werden sollten. Foto: zv

Für den Bezirk Harburg hat Walter schon konkrete Ideen. Er möchte die entstehenden Wohngebiete in Neugraben und Fischbek vergrößern. „Wir müssen in diesen Tagen natürlich darüber reden, dass wir diese Gebiete sehr dünn und sehr großzügig besiedeln, wie wir es aus der heutigen Perspektive kaum noch einmal machen können.“ Das soll man dort nicht ändern. Aber: „Ich bin sehr wohl der Meinung, dass wir ganz offen gehalten sind über das eine oder andere mal nachzudenken.“ Dabei gehe es um Reserven in planerisch abgeschlossenen gebieten. Im Bereich Fischbek könnte sich Walter die Nutzung der ehemaligen Kasernenbauten auf dem Röttiger-Gelände als Wohnungen vorstellen, zumal kein Nutzer für die geplante gewerbliche Nutzung in Sicht sei. Das erhöhe die Zahl der Wohnungen. Städtebaulich ändert  sich aber "Null Komm Null“, so Walter. Und auch in Neugraben hat Walter eine Vorstellung. Er möchte, dass der Streifen zwischen der S-Bahn und dem Park am Neubaugebiet Vogelkamp, der bislang als Mischgebiet ausgewiesen ist,  für Wohnungsbau genutzt wird, zumal es für Gewerbeflächen in dem Bereich laut Walter „keine Nachfrage“ gibt. zv