160127Halle2Harburg – Für die Unterbringung von bis zu 1200 weiteren Flüchtlingen will die Innenbehörde offenbar eine Halle im Harburger Binnenhafen anmieten und als

Zentrale Erstaufnahme nutzen.  Nach Informationen von harburg-aktuell handelt es sich um ein Gebäude an der Konsul-Ritter-Straße. Bezirkspolitiker lehnen den Plan ab. Sowohl SPD-Fraktionschef Jürgen Heimath, wie auch CDU-Fraktionschef Ralf-Dieter Fischer erteilten dem Plan eine Absage.

Mit einer möglichen Auflösung der ZEA auf dem Schwarzenberg, in der rund 700 Flüchtlinge leben, soll versucht worden sein den Vorschlag für den Standort im Binnenhafen schmackhaft zu machen. Auf solche Deals will sich Ralf-Dieter Fischer nicht einlassen. „Mir fehlt dazu das Vertrauen“, sagt er. Denn die Einrichtung auf dem Schwarzenberg würde es, wären die anfangs gemachten Versprechen eingehalten worden, schon lange nicht mehr geben. Stattdessen ist der Harburger Kernbereich zu einem Ballungsraum für Flüchtlingsunterkünfte geworden. Aktuell gibt es vier Zentrale Erstaufnahmen mit 3000 Plätzen. Zwei an der schlachthofstraße, eine auf dem schwarzenberg und eine in und um die Post hinter dem Bahnhof. Dazu kommen rund 800 Plätze in Folgeeinrichtungen, darunter das Wohnschiff im Binnenhafen oder die Einrichtung für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge an der Nöldekestraße, die in der Vergangenheit klammheimlich erweitert wurde.

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Der Blick Richtung Logistiflächen an der Konsul-Ritter-Straße. Foto: zv

Die Stadt braucht dringend weitere Plätze. Allein im Dezember mussten in Hamburg für 2168 Flüchtlinge dauerhafte Unterbringungen bereitgestellt werden. Das waren mehr als im ganzen Jahr 2012. Bisherige Planungen gehen davon aus, dass der Zustrom von Flüchtlingen hoch bleibt und die Zahl der Plätze für deren Unterbringung in diesem Jahr nahezu verdoppelt werden muss.

Die Stadt hatte angekündigt Unterkünfte nicht mehr nach Polizeirecht einzurichten, nachdem es mehrere erfolgreiche Klagen gegen Flüchtlingsunterkünfte gegeben hat. Auch im Bereich Harburg waren in der Vergangenheit mehrfach Unterkünfte mit Hilfe des Polizeirechts eingerichtet worden. So war es im Fall der ehemaligen Fegro-Halle oder beim Wohnschiff im Binnenhafen.

Sollte der Bezirk sich weiter querstellen, bleibe dem Senat nur eine Evozierung, um das Vorhaben durchzusetzen. Die Halle, so hieß es, biete gute Voraussetzungen - unter anderem weil sie beheizbar sei. Für den Vermieter dürfte die Einrichtung einer Flüchtlingsunterkunft ein lukratives Geschäft sein. Laut Experten sind für Logistikflächen Mieteinnahmen von 4 Euro bis 5,5 Euro zu erzielen. Die Unterbringung von Flüchtlingen bringt mehr. Gekoppelt sind die Anmietungen in der Regel mit langfristigen Verträgen. Die ehemalige Fegro-Halle an der Schlachthofstraße soll, so Insider, für mehrere Jahre angemietet worden sein. zv