RathausHarburg – Probelauf für den 21. Januar, also den Tag, an dem die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration die Sinstorfer und die Marmstorfer über zwei neue

Flüchtlingsunterkünfte in ihrer Nachbarschaft informieren möchte: Im Sozialausschuss der Bezirksversammlung, in den sich sonst nur vereinzelte Bürger verirren, mussten selbst die Abgeordneten um ihre angestammten Plätze kämpfen. Der Große Saal des Harburger Rathauses war voll. Die Leute aus Sinstorf und Marmstorf wollten sich schon mal warmlaufen. Denn am 21. Januar haben sie uneingeschränktes Rederecht und können so lange reden wie sie wollen. „Bis zum bitteren Ende“, wie Ausschussvorsitzende Claudia Loss diese große Freiheit kommentierte.

Eine gute Woche vor der Info-Veranstaltung in der Aula des Immanuel-Kant-Gymnasiums haben sich schon die wichtigsten Kritikpunkte herauskristallisiert. Dass die Stadt weiterhin Flüchtlinge menschenwürdig unterbringen muss, akzeptieren die meisten jetzt. Kein böses Wort über Flüchtlinge und ihr Verhalten war zu hören. Dafür fragte ein Anwohner aus dem Rüterskamp angesichts der jüngsten Vorfälle in Köln und anderen Städten nach dem Sicherheitskonzept für die Unterkünfte: „Ich habe Angst um meine Tochter, meine Familie und meine Frau.“ An Heie Kettner gewandt, der für die Sozialbehörde seit 2013 nach Flächen für Unterkünfte sucht, sagte er: „Ich fordere Sie auf, uns am 21. Januar ein Sicherheitskonzept vorzulegen. Wenn sie das nicht tun, können wir diese Unterkünfte nicht akzeptieren. Und wir werden es auch nicht!“

In einem Punkt gab es keine zwei Meinungen: Kettner: „Was da in Köln und anderswo passiert ist, ist einfach widerlich.“ Das habe aber nichts mit den Unterkünften zu tun. Nach wie vor gebe es in deren Umfeld keine erhöhte Kriminalität.

Die Bewohner der Käfersiedlung schreckt ein Rechenexempel. Beide Unterkünfte sind zwar formal auf die beiden Stadtteile verteilt. Doch in der Realität liegen zwischen ihnen und der Käfersiedlung nur jeweils 500 Meter. „Wir werden umzingelt“, rief eine Anwohnerin. „Auf 1000 Siedler kommen 1000 Flüchtlinge.“ Tatsächlich könnte in Sinstorf eine ähnliche Stimmung wie in der Wetternstraße am Harburger Bahnhofs aufkommen. Um die bisher rund 100 Siedler haben Innenbehörde und Sozialbehörde im Lauf der vergangenen zwei Jahre mehr als 3000 Flüchtlinge platziert – ohne Sicherheitskonzept und ohne Integrationskonzept. ag