LeonhardFischbek – Stippvisite von Sozialsenatorin Melanie Leonhard in der Erstaufnahme am Geutensweg. Erstmals seit September besuchte Leonhard die Unterkunft, in der

bislang keine 400 Flüchtlinge untergebracht sind. Seitdem hat sie viel getan. Die vom DRK geleitete Zentrale Erstaufnahme gilt als Vorzeige-ZEA in Hamburg. In der Halle sind Bereiche, Waben, abgetrennt worden, in denen maximal 16 Flüchtlinge in Doppelstockbetten schlafen. Nach oben sind sie offen. Das entspricht den Brandschutzbestimmungen. Trotzdem gibt es so etwas wie begrenzte Privatsphäre. Im Gegensatz zu anderen Unterkünften haben die Bewohner zudem einen eigenen Spind.

Bei der Gelegenheit stellte Bezirksamtsleiter Thomas Völsch den Plan für die Mega-Unterkunft vor, die gleich nebenan entsteht und die Gegend zu einem Flüchtlingsquartier mit mehr als 4000 Einwohnern machen wird. Über 3000 von ihnen werden in 102 doppelstöckigen Holzhäusern wohnen, in denen Drei-Zimmer-Wohnungen sind. In ihren werden Familien, aber auch oft Zwangswohngemeinschaften einziehen. Dazu wird es vier feste Bauten für die Verwaltung und neun weitere Holzhäuser für Gemeinschafträume geben. Bereits weitgehend fertig sind die neun Holzhäuser für Flüchtlinge „Es wird ein vernünftiges Quartier werden“, sagt Völsch zu dem Gesamtkomplex.

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Die Planungen für das Areal Aschenland. Grafik: Bezirksamt Harburg

Für Sozialsenatorin Leonhard ist die Folgeunterbringung, die in Fischbek in großem Stil entstehen wird, angesichts der Bedingungen in den Erstaufnahmen eine Notwenigkeit, die möglichst schnell umgesetzt werden muss. „Folgeunterbringung ist wichtig“, sagt sie. „Auch wenn es hier am Geutensweg gut aussieht, sind Erstaufnahmen kein Ort, in dem Menschen dauerhaft untergebracht werden sollten.“ Und auch Harald Krüger, Geschäftsführer des DRK, das die Erstaufnahme betreibt, sieht ZEA´s, selbst bei aller Mühe der Betreiber, nicht als Dauerbleibe. „Wohnen kann man das nicht nennen“, sagt er. Die Folgeeinrichtung sind dagegen schon dafür geeignet. „Die unteren Wohnungen bekommen beispielsweise eine Terrasse und eine kleine Garteneinheit.“

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Die Wohnwaben in der ZEA am Geutensweg. Foto: DRK

Am Ende, aber das nimmt niemand aus der Politik in den Mund, hat die Mega-Unterkunft das Potenzial zum Wohngetto. Vielleicht ist auch das der Grund, warum Leonhard betont, dass Integration „außerhalb der Einrichtung stattfindet“.  Völsch sagt es so: „Wir brauchen so viel Normalität wie möglich.“ Die könne man nur außerhalb der Einrichtung finden. Alle Schulen im Süderelbebereich werden zusätzlich Internationale Vorbereitungsklassen einrichten müssen, in die Kinder aus Flüchtlingsfamilien ein Jahr Deutsch lernen sollen, bevor sie dann auf die Klassen verteilt werden. Man denkt darüber nach auch Schüler nach Cranz in die dortige Schule  zu bringen. Kitas müssen ebenfalls stark an dem Integrationsversuch teilnehmen. Von Arztbesuchen ist die Rede, bei denen Alteingesessene und Flüchtlinge Schulter an Schulter im Wartezimmer hocken und dabei ins Gespräch kommen oder von zusätzlichen Anreize für neue Ärzte, wie kostenfreie Praxisräume, um den Zuzug in dem Stadtteil zu bewältigen.

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Auf der rot gefärbten Fläche entsteht die Folgeunterkunft. Foto: zv

Große Teile der Bevölkerung sehen die Zukunft skeptisch. Sie glauben nicht, dass über 4000 Menschen, die aus einem völlig anderen Kulturkreis stammen und bereits dadurch sozial geprägt sind, sich in Neugraben-Fischbek integrieren lassen. Stattdessen werde die Bevölkerung mehr Versuchskaninchen in einem riesigen Integrationsprojekt mit ungewissem Ausgang sein. Repräsentiert wird diese Meinung durch die Bürgerinitiative, die eine Obergrenze von 1500 Flüchtlingen für den Stadtteil sieht. Das wird eine Illusion bleiben. Die Arbeiten und Planungen für die Mega-Unterkunft sind bereits zu weit fortgeschritten. Die Bedingungen rund um das Aschenland sind viel zu gut, als dass sich die Behörde auf Alternativ-Abenteuer einlassen könnte, die angesichts jüngster Gerichtsentscheidungen zeitlich nicht kalkulierbar sind. Ohnehin wäre, so Leonhard, Bürgerinitiativen begrenzt geeigneten Verhandlungspartner. „Ich kann für die Stadt sprechen“, sagt Leonhard. Bürgerinitiative dagegen nicht für den Stadtteil. Selbst bei einer Einigung kann jeder Anwohner weiter den Klageweg wählen, der mittlerweile bei einer Vielzahl vergleichbarer Einrichtungen gegangen wird.

Sich selbst steht die Behörde bei der Errichtung der Mega-Unterkunft auch noch im Weg. Bislang hat man es nicht geschafft den Betrieb der rieigen Folgeeinrichtung verbindlich zu vergeben. Stattdessen steht eine europaweite Ausschreibung an. Und selbst bei dem Bau einer Kita im angrenzenden Wohngebiet, gängelt man den zukünftigen Betreiber noch mit einem Architektenwettbewerb. zv