151230VerletztHarburg - Jedes Jahr aufs Neue das gleiche Bild in den Notaufnahmen der Hamburger Kliniken: In der Silvesternacht haben Ärzte und Pfleger vermehrt mit Verletzungen

durch die falsche Handhabung von Pyrotechnik zu tun. Vom Gehörschaden über Brandwunden bis zu schwerwiegenden Handverletzungen - der Start ins neue Jahr beginnt für manch einen nicht nur schmerzhaft, sondern bisweilen auch gefährlich.

„In der Silvesternacht haben wir in der Notaufnahme gewohnheitsgemäß mehr zu tun als in anderen Nächten. Denn gerade durch Alkoholkonsum wird man im Umgang mit Raketen und Böllern schnell leichtsinnig“, erinnert sich Dr. Jürgen Linzer, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme am Asklepios Klinikum Harburg. Nicht immer geht die Silvesterfeier glimpflich aus: Auch wenn es keine offiziellen Statistiken gibt, so verletzen sich doch jedes Jahr Menschen schwer bis lebensgefährlich.

Davon weiß auch Dr. Jörg Elsner, Chefarzt der Plastischen, Rekonstruktiven- und Handchirurgie der Harburger Klinik zu berichten: „In der Silvesternacht ist mein Team besonders gefordert, denn die meisten Verletzungen treten üblicherweise an der Hand auf. Das können Hautverletzungen, Verbrennungen, aber auch abgetrennte Finger sein. Wir sind auf jeden Notfall vorbereitet und können selbst schlimmste Verletzungen bestmöglich versorgen. Dabei versuchen wir stets, die volle Funktionalität der Hand wiederherzustellen. Wichtig ist allerdings, dass die Verletzten direkt die Notaufnahme aufsuchen.“

Außer Handverletzungen, Verbrennungen und alkoholbedingten Unfällen kommt es in der Silvesternacht vermehrt zu Verletzungen des Gehörs, sogenannten Knalltraumata. Jedes Jahr erleiden etwa 8.000 Menschen in Deutschland behandlungsbedürftige Innenohrverletzungen, die durch Explosionen in unmittelbarer Nähe des Ohres verursacht werden.

Dies kann eine vorübergehende Hörstörung auslösen, aber auch zu dauerhaften Problemen führen. „Die Patienten leiden oft jahrelang unter Schwerhörigkeit oder einem Tinnitus. Oftmals sind Schlaf- und Konzentrationsstörungen die Folge, das beeinträchtigt bei vielen die Lebensqualität. Wir empfehlen Gehörschutzstöpsel für die Feier an Orten, wo geknallt und gezündet wird“, rät Chefarzt Prof. Dr. Thomas Verse. (cb)

Um die Silvesternacht unbeschadet zu erleben, hier die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie:

- Feuerwerkskörper nur im Fachhandel kaufen und die Gebrauchsanweisung lesen.
- Auf das CE-Zeichen und die BAM-Prüfnummer (Bundesamt für Materialprüfung) achten.
- Keine selbst gebastelten oder manipulierten Feuerwerkskörper verwenden! Sie sind besonders gefährlich, da bei ihnen unsicher ist, wann und wie stark sie explodieren.
- Am besten nur Feuerwerkskörper verwenden, die nicht in der Hand gezündet werden müssen.
- Vorräte nicht am Körper lagern, sondern verschlossen und in sicherem Abstand.
- Feuerwerkskörper, die nicht explodiert sind, nicht noch einmal zünden und sofort entsorgen! Das schützt Kinder und Jugendliche, die am Neujahrstag Blindgänger sammeln und nachzünden.
- Knaller und Böller sollten für Kinder und Jugendliche tabu sein. Besonders gefährdet sind männliche Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren.
- Nicht alkoholisiert knallen und den Sicherheitsabstand einhalten. Alkohol enthemmt und macht unvorsichtig. Schon kleine Mengen beeinflussen das Verhalten.