151209Vogelkamp2Harburg –  Ob es helfen würde, die Dinge auf den Kopf zu stellen? Harburg hoch im Norden und die vermeintlich schicken Stadtteile im Süden? Aber, es ist wie es

ist: „Südlich der Elbe wohnt man nicht. Viele Hamburger aus dem Norden haben erhebliche Vorbehalte gegenüber dem Bezirk Harburg.“ Das ist nicht etwa eine Aussage von einem Nord-Hamburger, der noch nie den Sprung über die gewagt und sich hier ein wenig umgesehen hat.

Das Zitat stammt vielmehr aus der offiziellen Broschüre des Bezirksamts Harburg zum Wohnungsbauprogramm 2015. Dort wird neben der Analyse des Ist-Zustands auch versucht, „Perspektiven und Strategien für die Wohnungsmarktentwicklung“ im Bezirk Harburg zu entwickeln. Der Bezirk könne eine „Entlastungsfunktion“ für die Stadtteile nördlich der Elbe einnehmen – dort eine angespannte Marktsituation mit hoher Nachfrage, hier im Süden eher eine entspannte Situation  mit vergleichsweise geringem Interesse von Investoren. Um die Hamburger nach Harburg zu locken schlägt das Bezirksamt vor, günstigere Miet- und Kaufpreise anzubieten. Das kann allerdings nur gelingen, wenn sich der Wohnungsbau südlich der Elbe für Investoren trotzdem rechnet.

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Das Neubaugebiet Vogelkamp. So soll es mal aussehen. Grafik: IBA Hamburg GmbH

Offenbar ist aber dennoch Besserung in Sicht. Das wurde auf der jüngsten Wohnungsbaukonferenz des Bezirks im Elbcampus deutlich. Die IBA Hamburg GmbH hat aus den Erfahrungen der Internationalen Bauausstellung in Wilhelmsburg gelernt und setzt bei der Vermarktung des Neubaugebiets Vogelkamp Zeichen. Im zweiten Bauabschnitt kommt schon knapp die Hälfte der Käufer von Grundstücken aus dem Norden der Stadt. Die vorbildliche Infrastruktur mit einem Stadtteilzentrum BGZ samt Schule, Kita, Sport und Kultur, das fast als erstes Gebäude im Quartier errichtet wurde, eine sehr gute Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr und die Werbung der IBA GmbH für „naturnahes Wohnen“ wirken Wunder. Bezirksamtsleiter Thomas Völsch auf der Wohnungsbaukonferenz: „Keine Frage, mit diesem Quartier konnten wir die Attraktivität des Bezirks zum Leben und Wohnen steigern.“

Das dürfte auch auf der Elfenwiese in Marmstorf gelingen. Das Interesse an dem neuen Quartier am Rand des Harburger Stadtparks ist riesig. Zudem bietet es mit der Nähe zu den Elbe Werkstätten für Familien, in denen jemand mit einem Handikap lebt, ein Alleinstellungsmerkmal.

Großes Potenzial scheint auch in der Harburger Innenstadt zu liegen. Planer, Investoren und Visionäre blicken intensiv auf das Schippsee-Viertel zwischen Harburger Ring und B73. Hier könnte ein neues lebendiges Zentrum mit rund 1000 Wohnungen entstehen. Für den ganz großen Wurf müssten aber noch einige Brocken aus dem Weg geräumt werden. Zum Beispiel müsste die Zukunft des Karstadt-Gebäudes geklärt werden, das Harburger Center müsste sich „in Luft auflösen“ und die Finanzierung der Landschaftsbrücke in den Binnenhafen müsste gesichert werden. ag