151112WetternstrasseHarburg – Nach dem Bericht von harburg-aktuell.de über den „Schwarzbau“ von der Wetternstraße hat die Sozialbehörde alle Bauarbeiten auf dem Gelände gestoppt.

Das hat Behördensprecher Oliver Klessmann am Freitagnachmittag mitgeteilt. Wenig später hat Bezirksamtsleiter Thomas Völsch diese Nachricht bestätigt. Zuvor muss es in der Behörde ziemlich laut geworden sein. Oberste Stellen in der Behörde sollen jedenfalls nichts von einem Auftrag für die Bauarbeiten gewusst haben. Oliver Klessmann schloss sogar aus, dass dieser Auftrag aus seiner Behörde kam.

Wie berichtet sind Bauarbeiter seit einigen Tagen dabei, ein Teil des Unterkunftareals an der Wetternstraße zu planieren. Ein Bauarbeiter verriet einer Nachbarin: „Am kommenden Dienstag gießen wir eine Betonplatte.“ Danach sollen Mobilcontainer für 80 bis 90 Flüchtlinge aufgestellt werden. Daraus wird jetzt erst einmal nichts. Oliver Klessmann: „Jetzt wird es erst einmal Gespräche geben.“

Zur Erinnerung: Die 120 Siedler von der Wetternstraße, die vor fünf Jahren noch rund 170 Flüchtlinge und Wohnungslose in der öffentlichen Unterkunft als Nachbarn hatten und mit ihnen weitgehend friedlich zusammenlebten, leben demnächst mitten unter 3000 und mehr Flüchtlingen in vier Folgereinrichtungen und der Erstaufnahme plus zwei Dependancen in der Schlachthofstraße. Schon früh hatten ihnen zunächst Politiker, später auch Behördenvertreter bis in die allerhöchste Ebene versprochen, dass in ihrem Umfeld erst einmal keine weiteren Unterkünfte eingerichtet werden. Das hatte auch die Bezirksversammlung so beschlossen.

Im Falle der Wetternstraße hatten die Nachbarn trotz allem einer Modernisierung plus Erweiterung zugestimmt – wenn damit endgültig Schluss mit weiteren Expansionen ist. Diese Vereinbarung sollte jetzt unter dubiosen Umständen gebrochen  werden.

Inzwischen hat der FDP-Bezirksabgeordnete Carsten Schuster eine Anfrage ans Bezirksamt eingereicht. Er will unter anderem wissen, wann das Bezirksamt  erstmals davon in Kenntnis gesetzt worden ist, dass die Unterkunft erweitert werden soll und wie sich das Bezirksamt dazu geäußert hat. Schuster kritisiert, dass der Senat auch im Fall Wetternstraße wieder das Polizeirecht anwenden will, obwohl es längst Klagen gegen diese Praxis gibt, die auch zu einem gerichtlichen angeordneten Baustopp geführt haben. ag

Veröffentlicht 14. November 2015