151106promenadeHarburg – Kaum zu glauben: Mehr als ein Jahrzehnt war das Gelände des ehemaligen Harburger Güterbahnhofs eine Brache, inzwischen ist es aber nahezu komplett gebaut.

Jetzt kann an die schönen Dinge der Stadtplanung gedacht werden, nämlich an die „Freiraumplanung“. Landschaftsarchitekt Ando Yoo hat schon mal ein paar Ideen für die Gestaltung zwischen den Häusern skizziert und sie im Stadtplanungsausschuss vorgestellt.

Fazit: Die „Harburger Brücken“ – so heißt die ehemalige Bahnhofsinsel jetzt – sind zwar eng bebaut, sie werden aber für Flaneure und Hafenkucker durchlässig bleiben, überall werden sich Grünachsen längs und quer durch das Quartier ziehen. Am schönsten könnte die Promenade am Östlichen Bahnhofskanal werden, wenn man dort nicht immer die Firma Brenntag im Blick hätte. Der Chemiebetrieb sorgt auch dafür, dass am gegenüber liegenden Ufer kein Wert auf eine besondere Aufenthaltsqualität gelegt werden soll. Denn die Promenade liegt im „Achtungskreis“ von Brenntag, der gemäß Störfallverordnung in einem Umkreis von 150 Metern die Nutzung einschränkt. Dort wird es beispielsweise keine Bänke zum Sitzen geben.

Nicht gerade einladend ist auch der Plan, auf eine Beleuchtung der Promenade ganz zu verzichten. Nach Sonnenuntergang soll man also im Dunklen durch den Achtungskreis tappen. In heutigen Zeiten sei so eine Beleuchtung nicht mehr zu finanzieren. Diese Bemerkung sorgte für einen Aufschrei bei den Mitgliedern des Stadtplanungsausschusses. Das wollen sie nicht hinnehmen.

Wer gelegentlich am stadtplanerischen Sachverstand von Harburgs Freizeitpolitikern zweifelt, kann sich damit trösten, dass sie zumindest ihren Humor nicht verloren haben. Jürgen Duenbostel von der Linken regte nämlich den Einsatz von Glühwürmchen zur Beleuchtung der Promenade an. Aber Nebenerwerbs-Landwirt Rainer Bliefernicht von der CDU bewies mit biologischem Fachwissen, wie schwer die Umsetzung dieses Vorschlags sein dürfte: „Es sind ja nur die männlichen Glühwürmchen, die leuchten. Sobald sie ein Weibchen gefunden haben, schalten sie ihr Licht ab.“ Jetzt will man Sponsoren suchen, um jeweils rund 5000 Euro teure Lampenmasten aufzustellen, die im Abstand von 50 Metern die Promenade beleuchten sollen. Deshalb sollen zumindest entsprechende Stromkabel verlegt werden. ag