151027HarbCentHarburg ­ - Die Pokerpartie um das Harburg Center, die „unsägliche Schrottimmobilie“ am Harburger Ring, ist immer noch nicht entschieden. Mit dem einstweiligen Beschluss des

Amtsgerichts, das laufende Verfahren für eine Zwangsversteigerung vorläufig auszusetzen, ist eine weitere Hoffnung auf eine Ende des lähmenden Stillstands geplatzt. Nur das Bezirksamt verströmt noch einen Hauch von Optimismus. In seiner Antwort auf eine Kleine Anfrage des FDP-Bezirksabgeordneten Carsten Schuster  zu den Folgen des „Innenstadtdialogs“ heißt es zwar: „Die Handlungsmöglichkeiten der Verwaltung sind aufgrund er derzeitigen Besitzverhältnisse sehr eingeschränkt,“ Es folgt aber dieser Satz: Aufgrund aktueller Entwicklungen könnten sich hier jedoch Veränderungen ergeben.“

Für ein Ende des Stillstands – auf welche Weise auch immer – wolle wohl auch die Harburger Grünen sorgen. Sie wollten wissen, ob das Gebäude für eine Beschlagnahme zur Unterbringung von Flüchtlingen in Frage kommt. Dass dieser Antrag scheitert, ist klar: Warum sollte die Bezirksversammlung einem Antrag zustimmen, der einem ihrer früheren Beschlüsse widerspricht? Haben die Grünen schon vergessen, dass niemand weitere Unterkünfte in Harburg ohnehin stark belastetem Zentrum will?

Center-Eigentümer  Hans-Dieter Lindberg sieht darin ohnehin nur einen weiteren Versuch der Grünen, „mir Steine in den Weg zu legen“: Das habe mit dem Stopp der Umbauarbeiten vor rund zehn Jahren begonnen. Damals waren die Grünen in Harburg gerade in einer Koalition mit der CDU.

Und so sieht Lindberg im Harburg Center keineswegs eine Schrottimmobilie, sondern schlicht und einfach eine „stillgelegte Baustelle“. Er sei nach wie vor in aussichtsreichen Gesprächen mit Mietinteressenten. Ergebnisse werde er „in Kürze“ präsentieren. Man möchte ihm glauben, doch derlei Ankündigungen sind in den vergangenen 15 bis 20 Jahren immer wie Seifenblasen geplatzt.

Ob denn ein Verkauf der Immobilie für ihn nicht viel lohnender wäre? Lindberg: „Das würde sich nur rechnen, wenn das Center komplett vermietet wäre.“ Vor eineinhalb Jahren hat er das noch anders gesehen. Im April 2014 teilte er Bezirksamtsleiter Thomas Völsch mit, er habe das Center an die Deutsche Projekt Entwicklung&Management (DPE&M) GmbH verkauft. Was daraus wurde, ist bekannt: geplatzt wie eine Seifenblase.

Tatsächlich soll es seriöse Interessenten geben, die das Center kaufen und dann gleich abreißen wollen. Ihr Plan: ein Neubau mit Ladengeschäften im Erdgeschoss, darüber attraktive Citywohnungen. Das wäre wohl auch im Sinne der Harburger. Am „Innenstadtdialog“ hatten sich zwar nur wenige Hundert beteiligt, der Abriss des Harburg Centers mit anschließendem Wohnungsbau stand dort aber ganz weit vorne. ag