110727hansen Harburg- Die Bauarbeiten im Rieckhof in Harburg laufen auf Hochtouren. Chef Jörn Hansen musste sein Büro räumen und hat sich im Arbeitsraum der Elbe-Werkstätten einquartiert. Seit einem Monat werden im Veranstaltungszentrum die Bauarbeiten zum vorbeugendem Brandschutz durchgeführt. Die Kosten belaufen sich auf insgesamt 865.000 Euro. Die Zukunft des Kultur- und Freizeithauses hing lange am seidenden Faden, erst als der Senat die finanziellen Mittel bereitstellte konnte Hansen durchatmen.

Der Bezirk hatte die Arbeiten ausgeschrieben und die SAGA-GWG beauftragt die Arbeiten zu betreuen. Inzwischen werden die Holzdecke, die Kabel, die Lüftung, die Stromverteilung und die Brandmeldeanlage erneuert.

Wird nun alles gut? Von wegen! Der Rieckhof gleicht einem Pulverfass, dass schon am 1. Januar 2012 explodieren könnte. Hansen warnt: "Wir haben in den Jahren 2011 und 2012 weniger Geld zur Verfügung, als 1986. Das predige ich den Politikern schon seit rund zwei Jahren." Berechnungen zufolge würden dem Rieckhof 30.000 bis 40.000 Euro pro Jahr fehlen und "das sind reine Grundkosten wie Strom und Wasser, an denen wir nichts machen können", seufzt Hansen. Weiteres Einsparpotenzial sieht er nicht, schließlich "sind wir inzwischen nur noch mit vier Angestellten tätig."

Vor Jahren waren es noch zwölf Mitarbeiter, die konnte sich das Kulturzentrum nicht mehr leisten. Darunter befanden sich einige Putzfrauen, deren Arbeit seit zehn Jahren die Elbe-Werkstätten übernehmen. Hansen zieht Vergleiche zum Bürgerhaus in Wilhelmsburg, das sich in ähnlicher Schieflage befindet: "Die Bürgerhäuser und Freizeitzentren sind bei der Politik aus dem Fokus gerückt, das ist ein strukturelles Problem."

Aufgeben wird Hansen nach eigener Aussage auf keinen Fall, er selbst möchte kämpfen. "Das liegt in meinem Naturell." Ich stehe mit den Politikern im Bezirk im Kontakt, ich werde weiter alles dafür tun, dass es den Rieckhof auch über 2011 hinaus geben wird." Dafür riskiert er sogar seinen eigenen Kopf. Denn nach Paragraph 42 des Bürgerliches Gesetzbuches (BGB) "Insolvenz", haftet im Falle einer bewussten Insolvenzverschleppung die Geschäftsführung. "Dessen bin ich mir bewusst, über das Risiko entscheide ich Sylvester."

Bei den aktuellen Sanierungsarbeiten rechnet der Chef mit keinen Verzögerungen, "wir planen fest damit am 1. November wieder zu öffnen." Trotz der trüben Aussichten hat der Rieckhof dieser Tage auch noch Positives zu vermelden: "Wir konnten die deutsche Rock-Band Torfrock für den 27. Dezember buchen." Ein solcher Erfolg tut dem angeschlagenen Rieckhof im Sommer 2011 besonders gut. (pw)