Harburg – Es war schnell klar, worum es beim Hafenfrühstück der Kulturwerkstatt anlässlich der Absage des Binnenhafenfestes 2017

ging. Um Geld. Helgo Mayrberger vom Museumshafen Harburg e.V. war es, der als Erster auf den Punkt kam. „Im Hintergrund ist ein Organisationsapparat entstanden, der nur professionell bewältigt werden kann“, stimmte Mayrberger die Zuhörer und den mit auf dem Podium sitzenden Bezirksamtsleiter Thomas Völsch ein, um dann gleich in Richtung Politik und Verwaltung ein klares Signal zu senden. „Wenn man ein Fest haben will, das nicht ein normales Stadtteilfest ist, sondern auch über den Bezirk hinaus strahlt, was das Binnenhafenfest bisher getan hat, ist das nicht auch etwas, was die Bezirkspolitik mitnehmen und aktiv unterstützen müsste – auch in Form von Geld“, sagt er. Dabei tut der Bezirk das bereits. In großem Umfang, wie es eine Abrechnung von Gorch von Blomberg, Chef der Kulturwerkstatt, die seit 16 Jahren das Fest organisierte, zeigt.

24.500 Euro der Ausgaben von 62.159 Euro und 27 Cent für das letzte Binnenhafenfest wurden durch öffentliche Mittel gedeckt.
Davon können andere Veranstalter nur träumen. Das Außenmühlenfest, organisiert von Heiko Hornbacher, wird beispielsweise überhaupt nicht mit öffentlichen Mitteln gefördert. Gleiches gilt für den Disco-Move, der jährlich durch den Binnenhafen rollt.

Trotzdem ist das Binnenhafenfest, finanziell gesehen, eine ganz knappe Sache. 419 Euro und 85 Cent weist die Abrechnung als Überschuss aus. Da kann man verstehen, dass die Kulturwerkstatt kalte Füße bekommt. So war es schon verständlich, das Timo Blume von der Kulturwerkstatt eine sichere Zuwendung vom Bezirk wollte, was einer institutionellen Förderung des Festes gleichkommt. „Es wäre schön wenn wir sagen können, ok mit dem Geld können wir planen“, so Blume. Kann man aber nicht. Völsch betonte, dass bereits über 40 Prozent der Finanzierung von der Stadt kommen. „Ich finde, das ist eine Förderung, die sich sehen lassen kann“, so Völsch. „Das lasse ich mir auch nicht klein reden.“ Schon das zeige, dass die Veranstaltung dem Bezirk etwas wert sei. Dann so etwas wie eine Absage für zusätzliche Mittel. „Einem Bezirk, der Stadt insgesamt sind aber an solchen stellen Grenzen gesetzt. Die Stadt ist nicht Veranstalter von Festen“, so Völsch.

Die Signale blieben klar. In einem lockeren Zusammenspiel von Akteuren und Unterstützern wurden das Fest und die Organisatoren gelobpudelt. Behutsam wurden die Teilnehmer zu der These geführt, dass einem „unkommerziellen Fest“, eine professionelle Organisation gut tun würde. Dazu wurde auch Signale in Sachen Finanzierung in Richtung Gitte Lansmann vom Channel Hamburg e.V. gesandt, die ebenfalls auf dem Podium saß. Doch die wand sich, genauso wie schon Bezirksamtsleiter Völsch, wie ein Aal, um um konkrete Zusagen herum zu kommen. Kritische Nachfragen und Standpunkte zum Binnenhafenfestblieben die im Publikum unbeliebte Ausnahme.

2013 war die Wasserseite deutlich attraktiver. Feuerschiffe lagen im Binnenhafen. Foto: zv

Eine kritische Betrachtung würde den Organisatoren aber gut tun. Schon die Abrechnung zeigt das Dilemma. Es finden sich kaum Sponsoren, die das Binnenhafenfest unterstützen. Lediglich 3.250 Euro kamen darüber zusammen. Die alle zwei Jahre stattfindende Nacht der Lichter, verfügt laut Lansmann über einen größeren Etat, der fast komplett über Sponsoren abgedeckt wird.  Kläglich ist auch der Verkauf des Soli-Buttons beim Binnenhafenfest, der für je zwei Euro verkauft wurden. 746,79 Euro kamen dadurch zusammen. Angesichts der kühn behaupteten Besucherzahl von über 100.000 Menschen wäre das ein klägliches Ergebnis. Nicht mal ein Prozent, also nicht mal jeder 100ste Besucher zeigte sich via Button solidarisch.

Es gelingt den Veranstaltern nicht die viel beschworene Begeisterung für das Fest in hilfreiche Münze umzuwandeln. Warum das so ist, blieb im Dunkel. Vielleicht half ein bisschen die Aussage eines Zuhörers, ein alt eingesessenen Unternehmers aus dem Binnenhafen, der eines der Feste mit 500 Euro gesponsert hatte. „Danach habe ich nichts mehr von der Kulturwerkstatt gehört“, sagt er. Und auch andere Dinge werden am Rande bekannt. Es soll für 2017 die Bereitschaft gegeben haben der Kulturwerkstatt mit Know-how, Organisationsarbeit und der Übernahme von einzelnen Parts unter die Arme zu greifen, was genauso abgelehnt worden sein soll, wie die drei Wochen Zeit, die nach der internen Kommunikation der Absage von "Sub-Organisatoren" erbeten worden waren, um doch noch Sponsoren zu holen.

Man kann daher leicht den Eindruck gewinnen, dass hier ein Fest gegen die Wand gefahren wird, um aufzurütteln oder finanzielle Unterstützung zu „erzwingen“. Dazu passt, dass für 2017 geplante Variante wie eine Zwischenlösung kommuniziert wird. Warum 2018 die Bedingungen besser sein sollten, blieb ein Geheimnis.

Die Schiffe, die in diesem Jahr zum Fest im Binnenhafen lagen. Foto: zv

Ganz im Gegenteil. Sie dürften eher schlechter werden. Dass in den vergangenen Jahren die Anforderungen an Organisatoren von solchen Festen, egal ob groß oder klein, explosionsartig gestiegen sind, ist bekannt. Das immer neue Kosten aufgebrummt werden, kommt dazu. So müssen beispielsweise plötzlich pro Standrohr für die Wasserversorgung der Schausteller plötzlich über 300 Euro gezahlt werden. Und allein davon gibt es einige.

Zudem birgt die Verkleinerung des Festes Gefahren. Ob Schausteller, gerade von attraktiveren Ständen, angesichts einer solchen Unzuverlässigkeit für ihre Planungen das Binnenhafenfest in Zukunft noch auf der Rechnung haben, wird abzuwarten sein. Zudem werden viele Aufgaben und damit verbundene Kosten, völlig unabhängig von der Größe des Festes, bleiben. Am Ende ist kaum anzunehmen, dass der Bezirk ein kleines Fest mit so viel Geld fördert wie die bisherige Veranstaltung. Das wäre auch kaum vermittelbar.

„Die Kulturwerkstatt ist als Veranstalter der Steuermann“, sagt einer der Schausteller. „Dort hat man aber den Autopilot eingestellt. Es fehlte die Kurskorrektur. “ zv