150212MarktHarburg "1614 Markt auf dem Sande". So steht es auf dem Geschichtsbrunnen, der 1973 am Rand des Wochenmarktes gebaut wurde. 400 Jahre war demnach

im vergangenen Jahr der Harburger Markt geworden. Und keiner hat es gemerkt. Jetzt soll in diesem Jahr gefeiert werden.

Eine Urkunde, so weiß es Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss, Chef des Helms Museums, gibt es nicht mehr. Die dürfte im Museum in Hannover gelegen haben, das im 2. Weltkrieg schwer von Bomben getroffen wurde, wobei viele Exponate verloren gingen. Melanie Leonhardt, Chefin der Stadtgeschichte hat inzwischen Hinweise, wie alte Stiche gefunden, die darauf hinweisen, dass der Zahl auf dem Brunnen stimmen könnte. Wieso genau 1614 als Datum genannt ist, kann man die Künstlerin Tisa von Schulenburg, die den Geschichtsbrunnen entwarf und realisierte, nicht mehr fragen. Die Künstlerin war 2001 im Alter von 97 Jahren gestorben.

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Die Inschrift am Brunnen, die 1614 als Gründungsjahr des Markten angibt. Foto: zv

Ansonsten nimmt man die kleine Geschichtspanne mit einer gewissen Gelassenheit. Anuschka Blockhaus organisiert für die mittlerweile nicht mehr in einer Werbegemeinschaft organisierten Markthändler zusammen mit Citymanagerin Gitte Lansmann ein großes Fest, dass im Juli stattfinden soll. „Dann feiern wir 401 Jahre Markt“, sagt Blockhaus.

Ende des 16. Jahrhundert wurden rund um den Sand die ersten Häuser zu bauen. Die Gegend soll damals als bessere Adresse gegolten haben. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist der Markt mehrtägig. Mitte der 70er Jahre baute man eine zusätzliche Marktfläche – die Blumenmarktfläche. Damals waren es bis zu 80 Stände, die auf dem Markt zu finden waren. Mittlerweile ist die Blumenmarktfläche nicht nur aufgegeben. Sie ist sogar gesperrt, weil sie einsturzgefährdet ist, weil das der Stadt gehörende Gebäude, dessen Dach die ehemalige Blumenmarktfläche ist, vor sich hin rottet.

Davor findet jeden Tag der Markt statt. 53 Marktbeschicker finden sich im aktuellen Verzeichnis. Darunter ist der Geflügelhof Schönecke, der seit 1914 dabei ist und dort den Grundstock für den in vierter Generation geführten Familienbetrieb legte. Die Familie Blockhaus, die gleich mehrere Stände rund um Fisch betreibt, gehört ebenso zum „Stamm“ der Marktbeschicker wie Simone Micheel mit ihrem Blumenstand oder Oertzen, wo Käse angeboten wird.

Wenige Marktbeschicker kommen täglich. Einzelne sogar nur an einem Tag in der Woche. Der Montag gilt als mittlerweile schwächster Markttag. „Es ist ein hartes und mittlerweile schwieriges Geschäft geworden. Am Montag verdient man wenig“, sagt einer der Marktbeschicker. „Aber wer am Montag mit seinem stand auf dem Markt sein will, der muss Sonntags arbeiten, damit alles vorbereitet ist. Als stärkste Markttage gelten der Donnerstag, der Freitag und der Sonnabend. Geöffnet hat der Wochenmarkt von Montag bis Sonnabend von 8 Uhr bis 13.30 Uhr. zv