141230TransitHarburg – Der schwimmende Wohnklotz "Transit" ist im Binnenhafen angekommen. Rund zwei Stunden nach Beginn der Schleusung von der Süderelbe in

den Binnenhafen machte das Wohnschiff am Kanalplatz fest. Dort sollen in den kommenden Wochen 250 Flüchtlinge Platz finden. Damit wird ein weiterer Großstandort für die Flüchtlingsunterbringung im Stadtteil Harburg aufgemacht.

Der Kanalplatz ist der umstrittenste Standort in Harburg. Der Platz wurde, wie auch der Schwarzenbergplatz, von der Fachbehörde über die Köpfe der Harburger Verwaltung und Politik hinweg requiriert. Lokalpolitik und Verwaltung hatten in den letzten Wochen völlig erfolglos versucht den Wohnschiffstandort im Binnenhafen zu verhindern. Die CDU hatte in einem Antrag den Grund für die ablehnende Haltung genannt. Durch ein Wohnschiff am Kanalplatz oder Lotsekai würde „die positive Entwicklung des gesamten Quartiers beeinträchtigt und um Jahre zurückgeworfen“. Ein Abordnung aus dem Binnenhafen, die sogar finanzielle Mittel für einen Alternativstandort zur Verfügung gestellt hätte war, so hieß es aus ihrem Umfeld, beim zuständigen Staatsrat der Sozialbehörde, dessen Verhalten mit „überheblich“ betitelt wurde, regelrecht abgeblitzt.

Bezirksamtsleiter Thomas Völsch sagte gegenüber NDR 90,3 das immer noch „intensive Gespräche“ über einen alternativen Liegeplatz geführt würde und das 110 Meter lange Wohnschiff an einen anderen Platz verholt werden könnte. Dabei soll es sich um einen Alternativstandort im Binnenhafen, konkret den Ziegelwiesenkanal, handeln. Wie realistisch das ist, bleibt abzuwarten. Der Senat hatte in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage erklärt, dass der Ziegelwiesenkanal nicht als Liegeplatz in Frage komme, weil das Schiff zu groß sein, um in den Kanal einzudrehen.

Wie lange das Schiff in Harburg bleiben wird, ist unklar. Offizielle reden bislang von fünf Jahren. Was nicht gesagt wird: Es gibt eine Mietoption für weitere fünf Jahre. Der Bezirksamtsleiter stimmt auch da auf eine dauerhafte Belastung ein. Gegenüber NDR 90,3 sagte er, dass man sich auf das hohe Niveau des Zuzugs von Flüchtlingen dauerhaft einrichten müsse. Er sprach zudem von einer ungleichen Verteilung der Flüchtlinge im Bezirk. Tatsächlich ist der lediglich 3,9 Quadratkilometer große Stadtteil Harburg der Stadtteil in Hamburg, in dem mit 2026 Plätzen die meisten Flüchtlinge nach Planungen der Fachbehörden leben sollen.

Im Binnenhafen sind die Auswirkungen bereits deutlich zu spüren. Auch der Edeka-Markt, der im Zuge von Neubauprojekten dort zur Nahversorgung eröffnen sollte, ist auf dem Absprung, nachdem zuvor schon die Ansiedlung des Aviation-Tech-Centers geplatzt war. Für beide Projekte hatte es jahrelange Vorbereitungen gegeben. Offiziell hat der Wohnschiffstandort natürlich nichts oder nur wenig mit den Absagen zu tun. zv