140925WeihwasserMoorburg – Über 400 Jahre war das Weihwasserbecken der alten Kirche Moorburg verschwunden. Jetzt ist es wieder das. Kripobeamte entdeckten es in einem Katalog

eines Münchener Auktionshauses. Mit kriminalistischem Geschick und einer Spende des Moorburger Unternehmers August Ernst konnte das Weihwasserbecken wieder nach Moorburg geholt werden. Dort steht es als Dauerleihgabe des neuen Eigentümers, des Archäologischen Museums, in der Moorburger Kirche. Es dürfte zwischen 1470 und 1528 hergestellt und auch weggekommen sein und ist damit das älteste Stück, auf dem der Ort Moorburg erwähnt wird

Die Kripo Wiesbaden war bereits im Mai auf das Stück. Im Gegensatz zu vielen anderen Kunstgegenständen, die auf dem Markt sind, konnte das Weihwasserbecken klar zugeordnet werden. Der Name Moorburg ist auf dem Becken eingemeißelt. Die Kripo Wiesbaden informierte die Kripo Hamburg. 140925Weihwasser5Deren Experten für solche Fälle übernahmen den Fall. Das Problem: Niemand konnte sagen wann und wie das Weihwasserbecken weggekommen ist und ob es tatsächlich gestohlen wurde. „Es konnte deshalb nicht beschlagnahmt werden, weil kein Straftatbestand vorlag“, sagt Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss, Direktor des Archäologischen Museums. „Die Kripo hat dann etwas sehr Schlaues gemacht. Sie hat beim Auktionshaus einen Vorbehaltsvermerk eintragen lassen.“ Der Bewirkt, dass ein Käufer damit rechnen muss, dass ihm das ersteigerte Weihwasserbecken weggenommen wird, wenn raus kommt, dass es nicht rechtmäßig in Privatbesitz gekommen ist.

Es kam wie es kommen musste – niemand ersteigerte das Becken. „Das hatten wir gehofft“, sagt Weiss. „Wir hatten dagegen natürlich Interesse. Uns stört der Eigentumsvorbehalt nicht.“ Leider hatten weder das Museum, noch die Kirche Geld, um das Becken anzukaufen. „Da kam August Ernst in Spiel“, so Weiss. Eineinhalb Minuten habe der Anruf bei ihm gedauert. Eigentlich war der Moorburger sofort bereit das Geld für den Ankauf des für den Ort bedeutenden Stücks bereitzustellen. Mehrere tausend Euro machte er locker, damit das Weihwasserbecken zurückkommt.

Jetzt hat es seinen Platz in der Moorburger Kirche gefunden. Vor dem prächtigen Altar steht das Weihwasserbecken auf einem schlichten Sockel (Foto l.). Die Sache hat nur einen kleinen Schönheitsfehler. 140925Weihwasser3140925Weihwasser4Weihwasserbecken sind in katholischen Kirchen zu finden. Die Kirche in Moorburg ist evangelisch. Das vermutlich aus einem in der Eiszeit mit den Gletschern nach Moorburg gekommenen Granitstein geschlagene Becken dürfte in der alten katholischen Kirche am Moorburger Kirchdeich (Foto r.) gestanden haben. Diese Kirche wurde 1597 abgerissen. Vermutlich damals kam das Weihwasserbecken weg. Dass es zwischen 1470 und 1528 hergestellt wurde, wissen die Archäologen sicher. Erst seit 1470 wird der Ort, der um 1300 gegründet wurde, Moorburg genannt. Auf dem Weihwasserbecken ist zudem der Name des damaligen Pastors, Lyeven Hebbrecht, genannt. Der ist aber nicht unter den Geistlichen in Moorburg zu finden, deren Namen bis 1528 zurück bekannt sind. zv