Harburg – Vor 15 Jahren kam der Terror nach Harburg. Am 12. September 2001 wurde bekannt, dass die Kerngruppe der Terroristen, die am Tag zuvor in den USA die Anschläge

auf das World Trade Center und das Pentagon verübten, zuletzt in Harburg gelebt hatten und an der Marienstraße 54 wohnten. Der Kopf der Terrorzelle, Mohammed Atta, und seine Komplizen waren Studenten der TUHH, die auf dem Campus ihre Islam-AG hatten und sich hier in Harburg auf die Taten vorbereiteten. Atta studierte von 1992 bis 1999 hier in Harburg Städtebau/Stadtplanung.

In Harburg ist der 11. September kein Thema. Politik, Verwaltung und Gesellschaft. Wo sonst gern Betroffenheit zur Schau gestellt und mit Lichterketten oder Gedenkveranstaltungen abgerundet wird, hält man sich nicht nur zurück. Der 11. September wurde im öffentlichen Harburg ignoriert. Kein offizielles Wort erinnert 15 Jahre nach an die Terroranschläge, die nicht nur durch die Taten selbst etwa 3000 Menschen das Leben nahmen, sondern auch das Selbstbewusstsein der Anhänger eines radikalen Islamismus stärkte, diese extremistische Richtung attraktiver machten und einen globalen Konflikt brachte.

Mounir al-Motassadeq 2004 an der Schwarzenbergstraße. Foto: zv

Ganz im Gegenteil. Schon früh wurde in Harburg ignoriert. Wie selbstverständlich lebte Mounir al-Motassadeq, der erst 2007 letztinstanzlich wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und der Beihilfe zum Mord in 246 Fällen zu 15 Jahren Haft verurteilt wurde, nach den Terroranschlägen weiter in Harburg nahe des Hastedtplatzes. Dabei wurde er, wie es Bilder zeigen, in Teilen seiner Community in Harburg nicht geächtet, sondern eher hofiert. Heute befindet sich in Wilstorf die einzige vom Verfassungsschutz offiziell beobachtete Moschee der Stadt, die Taqwa-Moschee in der Anzengruberstraße, die Treffpunkt islamistischer Extremisten ist. zv

Einsatzkräfte des MEK an der Bunatwiete. Foto: zv

harburg-aktuell dokumentiert den 12. September, den Tag, an dem der Terror ein Harburger wurde. Zuvor hatte es vom damaligen Springer-Auslandsdienst aus den USA Hinweise gegeben, dass die Terrorpiloten Bezüge nach Harburg hatten. Damals wurde eine falsche Adresse genannt. Journalisten entdeckten die Wohnung.

12. September 2001

19.10 Uhr. Die Polizeipressestelle wurde von Journlisten informiert und gibt die richtige adresse, Marienstraße 54, an den Einsatzstab weiter, der sich zuvor im Zusammenhang mit den Anschlägen mit Schutzmaßnahmen für amerikanische und jüdische Einrichtungen in Hamburg befasst hat.

19.15 Uhr. Polizisten der Wache 46, damals Knoopstraße, sind in der Marienstraße vor Ort. Sie stellen fest, dass zwei Kamerateams bereits dort drehen. Zunächst sind vier, etwas später sieben Journalisten im Haus.

19.39 Uhr.Der Polizeiführer entscheidet, dass das Haus abgesperrt wird und nur noch Anwohner Zugang haben.

20.09 Uhr. Die Polizei stuft die Wohnung in der Marienstraße als Terroristenwohnung ein.

20.10 Uhr. Der damalige Senatssprecher Ludwig Rademacher wird informiert.
20.47 Uhr. Die Wohnung in der Marienstraße ist eindeutig den Terrorverdächtigen zugeordnet. Ein Schlüsseldienst wird zur Öffnung der Tür angefordert.

21.04 Uhr. Ein Sprengstoffhund wird zur Marienstraße geschickt.

21.15 Uhr. Zwei weitere Wohnungen von terrorverdächtige, in der Wilhelmstraße und in der Bunatwiete sind identifiziert. Das MEK wird mit der Observation beauftragt.

21.30 Uhr. Bereitschaftspolizisten werden mit Schutzwesten ausgestattet.

22.29 Uhr. Beide Wohnungen stehen unter Beobachtung.

22.43 Uhr. Das FBI informiert die Polizei, dass Mohammed Atta mit einem Visum in die USA eingereist war.

22.54 Uhr. Es ist bekannt, dass drei Männer, Mohammed Atta, Said Bahaji und Ramzi Binalshibh , alles Studenten der TUHH, Mieter der Wohnung waren.

23.05 Uhr. Der Führungsstab der Polizei übernimmt.

23.31 Uhr. Die Konsulin der USA wird informiert.

23.40 Uhr. Die Wohnung in der Wilhelmstraße wird überprüft. Dort wohnt seit Juli 2000 bereits eine Familie, die keinen Bezug zu den Terroristen hat.

13. September 2001

00.01 Uhr: Das MEK bekommt den Auftrag in die Wohnung an der Bunatwiete einzudringen.

00.54 Uhr. Das Bundeskriminalamt übernimmt die Ermittlungen.

01.12 Uhr. Das MEK ist in die Wohnung an der Bunatwiete eingedrungen sie treffen eine Frau und ihr sechs Monate altes Kind an.

01.30 Uhr. Im Polizeipräsidium werden Vorbereitungen für das Eintreffen einer BKA-Ermittlungsgruppe getroffen.

02.05 Uhr.  Drei weitere Wohnungen von Terrorverdächtigen, davon eine in der Straße Op de Wish, sind identifiziert.

04.30 Uhr. Der Generalbundesanwalt übernimmt das Verfahren.

07.30 Uhr. Der Führungsstab wird wieder aufgelöst.