100822Sommerfest6 Harburg- Es ist eine Nachricht, bei der alle Sportler zusammenzucken werden. Wie die SPD-Fraktion in der Bezirksversammlung beschloss, soll die Sportförderung für Kinder und Jugendliche ab 2013 gekürzt werden.

Bisher wurden Kinder aus einkommensschwachen Familien, deren Eltern beispielsweise Sozialhilfe empfangen, mit 2,50 Euro unterstützt. Genau dieser Zuschuss, der sich jährlich insgesamt auf über 10.000 Euro beläuft, wird nun auf einen Euro gekürzt werden. Profitiert von der Sportförderung des Bezirks haben bisher rund 500 Kinder und Jugendliche, denen so die Mitgliedschaft in einem Sportverein ermöglicht wurde. Neben der Sportförderung des Bezirks, erhalten  Kinder aus sozialschwächeren Verhältnissen seit April letzten Jahres durch das Bildungs- und Teilhabepaket einen Zuschuss in Höhe von zehn Euro pro Monat. Entstehende Kosten, die mit diesem Beitrag nicht gedeckelt werden können, begleicht der Bezirk Harburg aus dem Fond der Sportförderung. Für viele Kinder ein wahrer Segen. Allein 200 dieser Kinder trainieren beim Harburger Turnerbund (HTB) in Heimfeld.

Entsprechend groß ist die Empörung bei Claus Ritter, Präsident des Harburger Turnerbundes (HTB), über die angestrebte Sparmaßnahme. Er sagt:"Diese Entscheidung kommt für uns völlig überraschend. Bei uns beträgt der Mitgliedsbeitrag im Fußball-Bereich 14,60 Euro. Sollte die Sportförderung wirklich gekürzt werden, wird es schwierig den Kindern weiter Fußball anbieten zu können. So gern wir die Kinder bei uns im Verein haben, wir müssen halbwegs unsere Kosten decken." Nun gelte es laut Ritter, Konzepte zu entwickeln, um die Kinder im Verein zu halten. Für den HTB, der für seine nachhaltige und erfolgreiche Jugendarbeit besonders in der Fußballsparte bekannt ist, wäre die Kürzung ein harter Schlag. Auf der nächsten Präsidiumssitzung steht das Thema ganz oben auf der Agenda. Doch auch aus sozial-politischer Sicht, scheint die Kürzungsstraegie der SPD, fragwürdig. Auch Rittig fragt sich, warum der Sparhammer ausgerechnet sportbegeisterte Kinder treffen muss. Zur gesellschaftlichen Bedeutung des Sports, meint er: "Für viele Kinder ist der Fußball Lebensmittelpunkt. Der Sport ist immer auch eine Art Ventil für den Abbau von Frust und Aggression. Wir leisten mit unserer Jugendarbeit einen wichtigenn Beitrag zur Integration, dass ist gerade in einem sozial schwachen Gebiet, ein nicht zu unterschätzender Faktor." Genau das merkt auch Matthias Nehls, Manager des FC Süderelbe an: "Auch bei uns im Verein sind viele Kinder, die aus dem angrenzenden Neuwiedenthal kommen. Für die nimmt der Sport einen ganz wichtigen Platz im Leben ein. Die Kürzung wäre das falsche Zeichen." Kontraproduktiv findet der Präsident des Traditionsklubs FTSV Altenwerder die Kürzung. Torsten Müsse schimpft: "Wir sind schockiert. Bei uns sind 60 Kinder davon betroffen. Wir holen die Jugendlichen von der Straße und die SPD beschließt solche Maßnahmen. Da wird definitiv an der falschen Stelle gespart."

Für großes Unverständnis sorgt die Maßnahme auch im Lager der Opposition. Die wittert nämlich "soziale Kälte" erster Güte. Heinke Ehlers, jugendpolitische Sprecherin der GAL-Fraktion, meint: "Im Bezirk herrschte viele Jahre Einigkeit darüber, dass die Kosten, die über die Sportprogramme nicht gedeckelt werden können, ausgeglichen werden müssen. Und jetzt soll genau in diesem Bereich gekürzt werden. Einfach unverständlich, dass die Sparmaßnahmen der SPD, zulasten der Kinder geht. Jedes Kind muss schließlich die Chance haben, Sport in einem Verein betreiben zu können."

Den Sportvereinen in Harburg droht ab kommenden Jahr eine Austrittswelle, sollte die SPD die Kürzungen durchziehen. (pw)