110531schween Altenwerder- Der FTSV Altenwerder ist am letzten Spieltag Meister in der Bezirksliga Süd geworden. Dank eines späten 3:2 Treffers beim HSC konnte die Mannschaft um Trainer Torsten Bettin, den Vorsprung gegenüber

Verfolger Este 06/70 aufrechterhalten. Este führte parallel bei Grün-Weiss Harburg mit 2:0 und hätte Altenwerder überholt, wenn nicht noch der späte Treffer durch Christian Carlsen gefallen.

 

Im Doppelinterview mit Harburg-aktuell.de erzählen Christopher Schween und Kapitän Kjell Meier wie sie das Herzschlagfinale um die Meisterschaft erlebten, wie die Party danach lief und was sie in der nächste Saison vom Derby gegen FC Süderelbe erwarten.

 

Kjell und Christopher,  der Aufstieg wurde erst drei Minuten vor Schluss mit dem Tor zum 3:2 perfekt gemacht. Wie groß war die Angst die Meisterschaft noch zu verspielen?

Meier: "In dem Moment war ich bereits ausgewechselt und saß auf der Bank. Wir haben alle gehofft und gebangt, weil wir das Endergebnis aus Este wussten. Ich habe schon nicht mehr mit dem Sieg gerechnet, erst als der Schiedsrichter abpfiff kam die Erleichterung.

Schween: "Die Angst war extrem groß. Da ging das Zittern los. Gerade mir als junger Fußballer schossen schon Tränen in die Augen, weil ich dachte, dass wir jetzt nicht mehr Meister werden. Aber mit der Riesenmoral der Mannschaft haben wir es zum Glück noch geschafft."

 

Habt Ihr Zwischenstände von der Partie Este gegen Grün-Weiss Harburg mitbekommen?

Schween: „Nein, wir haben uns nur auf unser Spiel konzentriert. Erst gegen Ende ging in der Abwehrreihe rum, dass unser Verfolger Este 06/70 gegen Grün-Weiss Harburg führt. Dann war klar: Ein Tor muss her.“

 

Wie viel Anspannung hat sich nach dem Schlusspfiff bei Dir entladen, Christopher?

Schween: „Die ganze Woche hat man von jedem Spieler mitbekommen, wie groß die Anspannung ist. Ich konnte unter der Woche nicht richtig schlafen, denn das Spiel kam ja einem Finale gleich. Und als der Abpfiff dann ertönte, ist mir nicht ein Stein sondern ein Riesenbrocken vom Herz gefallen. Im ersten Moment hab ich das gar nicht realisieren können, erst als die Fans auf den Platz gestürmt kamen, dämmerte mir so langsam, was wir geschafft hatten.“

 

Mit den beiden Toren hattest du Christopher,  maßgeblichen Anteil an der Meisterschaft. Wie fühlt sich das an?

Schween: "Die zwei Tore war natürlich ein Weltklasse-Gefühl. Aber trotzdem hat die ganze Mannschaft zu dem Erfolg beigetragen.“

 

Der Klub blickt auf eine über 90 Jahre lange Historie zurück. Mit der Meisterschaft werdet ihr in die Geschichtsbücher des Vereins eingehen. Wie viel Stolz empfindet man da?

Meier: "Natürlich ist das ein großer Erfolg, aber eigentlich wollen wir jetzt Geschichte schreiben. Denn Altenwerder hat in der ganzen Klub-Historie noch nie einen einstelligen Tabellenplatz in der Landesliga erreicht."

Schween: "Also ich empfinde riesigen Stolz, auf jeden Fall. Gerade ich bin ja ein Altenwerder Jung´. Seit ich klein bin, spiele ich beim FTSV. Und in meiner noch jungen Karriere ist das der bisher größte Erfolg. Mit dem Klub, bei dem ich aufgewachsen, den Aufstieg zu schaffen, da geht für mich ein Traum in Erfüllung."

 

Auf der Vereinsseite sind Fotos der Meistersause zu sehen. Wer von euch hatte denn an der Theke die größte Ausdauer?

Meier: "Das waren so einige, wir haben bis spät in die Nacht gefeiert."

Schween: "Das kann ich nur bestätigen. Prinzipiell bleiben die Kollegen immer gerne länger."

 

Nach der Party folgte für  Christopher der Schock. Zurzeit gehst du auf Krücken. Wie schwer wiegt die Verletzung?

Schween:  "Für mich war der Riss im Meniskus total der Schock, ich war vorher noch nie so schwer verletzt. Für den Saisonauftakt falle ich definitiv aus, das tut natürlich weh. Aber ich will so schnell wie möglich wieder fit werden."

 

Wann hast du die Nachricht erhalten?

Schween: "Ich hatte schon die Woche vor dem Spiel starke Schmerzen, war dann beim Arzt zur Kernspinthomographie. Die Hiobsbotschaft habe ich erst nach dem Spiel bekommen. Dann habe ich mich dazu entschieden, mich nochmal für die Mannschaft ins Zeug zu werfen.  Ich muss zugeben, dass ich mit Schmerztabletten gespielt habe-ohne wäre das nicht gegangen. Am Montag kam dann für mich die Horrornachricht, als der Arzt mir mitteilte, dass ich einen Riss im Meniskus habe."

Meier: "Für uns als Team war das auch ein Schock-wir hoffen das er schnell wieder gesund wird."

 

Wie kann man mit so einer schweren Knie-Verletzung zwei Tore erzielen?

Schween: "Mein Trainer Torsten Bettin hat mir beim Training noch gesagt, dass ich nicht mit dem Kopf bei meinem Knie sein, sondern mich auf mein Spiel konzentrieren soll. Dieses Versprechen musste ich abgeben. Ich war auf das Spiel, auf die Meisterschaft fokussiert und konnte alles andere ausblenden."

 

Wenn Ihr die Spielzeit mal Revue passieren lässt, was war der Schlüssel zu Erfolg?

Meier: "Das zweite Rückrundenspiel gegen den TSV Neuland war die Initialzündung. Hätten wir das Spiel vor der Winterpause verloren, wären wir auf einen Abstiegsplatz gerutscht. Danach haben wir richtig gut gespielt und der schwachen Hinrunde eine ganz starke folgen lassen."

Schween: "Dieser riesen Zusammenhalt in der Truppe, wir sind wie eine kleine Familie-auf und neben dem Platz. Und dann unser Trainer, der mit der Mannschaft gut harmoniert hat. Der macht Ansprachen in der Kabine- da bekommt man als Spieler Gänsehaut."

 

Wagen wir doch mal einen kleinen Ausblick auf die nächste Saison. In der Landesliga erwarten euch andere Teams…

Schween: „…und ein anderes Tempo, da müssen wir richtig Gas geben. Aber das ist auch reizvoll. Zum Beispiel die Spiele gegen HSV III, wo Bastian Reinhardt mitspielt. Da freue ich mich schon drauf, immerhin hat der Champions League gespielt.“

Meier: "Ich brenne auf die Saison, da warten wie "Schweeni" schon sagt, richtig attraktive Gegner. Eines weiss ich jetzt schon: Wir werden die Klasse halten."

 

Was erwartet Ihr  vom Lokalderby gegen den FC Süderelbe?

Schween: "Auf dieses Spiel freue ich mich ganz besonders. Das wird der Kracher hier im Süderelbe-Raum. Viele meiner Freunde spielen dort- denen wollen wir nichts schenken. Das wird auf alle Fälle hitzig zugehen. Man kann das dem Nordgipfel Hamburger SV gegen Werder Bremen vergleichen. Wer verliert ist der Depp."

 

Kjell, du bist ein echter "Oldie" im Team. Wie sind die Spiele gegen Süderelbe?

Meier: "Es ist zum Glück nicht mehr so schlimm wie früher, als teilweise Hass die Spiele dominierten. Aber es ist in der Süderelbe-Region unser direkter Nachbar und da erwarte ich einfach ein interessantes Spiel mit wahnsinnig vielen Zuschauern. Wir sind der Underdog, wollen aber natürlich gewinnen."

Kjell und Christopher, vielen Dank für das Gespräch.

(pw)

 

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