Ratgeber - Bislang galt die Hamburger Gründerszene eher als Geheimtipp denn als etablierte Größe. Durchaus vorhanden und voller Potenzial, aber doch unter

dem Radar – und stets im Schatten von Startup-Hochburgen wie Berlin oder auch München. Das soll sich nun ändern.

Hamburg profitiert von internationalen Start-ups

Experten sind sich einig: Berlin ist das Herz der deutschen Start-up-Welt. Der aktuelle Trend wurde dort folglich als Erstes registriert: Ausländische Unternehmensgründer zieht es verstärkt nach Deutschland, wie auf zahlreichen Start-up-Events deutlich wurde. Dadurch steigt die Internationalität in der Szene – und auf der Suche nach Niederlassungsmöglichkeiten richtet sich der Blick verstärkt auf die Hansestadt. In Sachen internationales Flair begegnet Hamburg anderen Metropolen wie Köln, München und Berlin mindestens auf Augenhöhe, dazu kommt eine stark ausgeprägte Affinität zum digitalen Business.

Speziell Start-ups im Bereich der neuen Medien finden in Hamburg eine bestehende Landschaft vor. Die Mischung aus langjährig etablierten Unternehmen und dynamischen Start-ups haucht der Hamburger Szene neues Leben ein, darüber hinaus wird wertvollen Synergien das Tor geöffnet. So können professionelle Dienstleistungen wie das Brand Management von Albert Bauer Companies von Start-ups im Zuge des Wachstums genutzt werden, um sich als Marke zu etablieren und nachhaltig an Wert zu gewinnen. Schließlich reicht ein funktionierendes Produkt, und sei es noch so innovativ, alleine nicht mehr aus, um den Markt zu gewinnen. Die Basics des Marken-Managements haben nicht ohne Grund Schule gemacht und Hamburg ist (wie schon in Sachen Werbung und Medien) auch in diesem Bereich deutschlandweit führend. Es geht also um Wechselwirkungen, denn diese sind gerade in der Start-up-Welt keine Seltenheit – und obwohl sich ein Großteil des Geschehens im Netz abspielt, ist die geographische Nähe unter den Teilnehmern stets ein Pluspunkt.

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Gleich und gleich gesellt sich gern

Vernetzung ist nicht ohne Grund das Zauberwort. Ob im Rheinland, in München, in Hamburg oder in Berlin, sprießen Vernetzungsinitiativen nur so aus dem Boden. Damit einher geht eine Vielzahl von Veranstaltungen: Bei Start-up-Tanks sowie auf Incubator- und Accelerator-Events können sich Start-ups präsentieren und nach Investoren suchen, nicht selten wird dabei der Grundstein für erfolgreiche Unternehmen gelegt. Hamburg registriert eine stark wachsende Zahl solcher Veranstaltungen. Die Frage scheint also nicht zu sein, ob Hamburg seinen Platz unter den wichtigsten Gründerstädten Deutschlands findet. Die Entwicklung ist schließlich nicht mehr aufzuhalten.

Es bleibt jedoch abzuwarten, welche Charakterzüge die Hamburger Gründerszene ausbilden wird. Denn wie schon der Vergleich zwischen Berlin und München zeigte, besitzt jede Stadt auch in Sachen Start-up ihre Eigenheiten:

  • So gilt Berlin als besonders bunt und innovativ, außerdem wird die finanziell schwierige Anfangszeit durch niedrige Mieten erleichtert. Und: Berlin gilt als Stadt der zweiten Chancen – Scheitern ist keine Schande, denn die nächste Idee könnte besser funktionieren.
  • In München sind die Lebenshaltungskosten dagegen ein Nachteil, doch dafür gilt die Vernetzung mit der Industrie als große Stärke: Münchener Start-ups profitieren von der Investitionsbereitschaft der Unternehmen und den hochqualifizierten Absolventen der Universitäten. Diese Qualität fordert jedoch ihren Tribut: In München wird von Start-ups erwartet, dass sie schnell funktionieren, der Erfolg wird vor allem am Umsatz gemessen.

Dennoch bleibt die Ungewissheit stets ein Thema: Über 60 Prozent aller Gründer schätzen, dass ein Scheitern in der Gesellschaft nur wenig Verständnis finden würde. Dazu dürfte vor allem die Münchener Hochglanz-Szene ihren Teil beigetragen haben. Ob die Hamburger Start-up-Szene das als Fingerzeig verstehen darf? Einige Ähnlichkeiten sind schließlich nicht von der Hand zu weisen. So verfügt Hamburg ebenfalls über eine hochklassige Uni-Landschaft (allen voran dank der TU und dem UKE), auch die Mieten gleichen immer mehr dem Münchener Niveau – ob das nun ein gutes oder ein schlechtes Omen ist, bleibt wohl Ansichtssache. dl

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