150425syltRatgeber - Die nordfriesische Insel Sylt gilt heute als Magnet für Luxus-Touristen, soll überteuert und in Teilen sogar überschätzt an. Doch wie kam es zu dieser

Entwicklung und wie viel ist dran an den Gerüchten?

Tourismus auf Sylt - Freikur mit Reizklima

Die touristische Geschichte der Insel begann etwa 1855, als Westerland aufgrund des herrschenden Reizklimas zum Seebad erklärt wurde, das auch für Kuren geeignet war. Da eine Kur wesentlich länger dauert, als ein Urlaub, waren Gastronomie und Hotellerie auf lange Aufenthalte eingestellt. Es gab spezielle Schulen für Kinder und ein breites Unterhaltungsprogramm für Erwachsene. Der zweite Weltkrieg jedoch versetzte der touristischen Insel einen Stoß, als sie zum Sperrgebiet erklärt wird und sich außer einigen Bewohnern niemand mehr dort aufhalten darf. Beinahe 20 Jahre bleibt Sylt wie ausgestorben, kann sich dank des mittlerweile traditionsreichen Kurangebots jedoch schnell erholen.

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Der Lister Leuchtturm. Bildquelle: ©iStock.com/reach-art

Weniger Einwohner als Gästebetten

Der oft gehörte Scherz, die Insel hätte mehr Gästebetten als Einwohner stimmt heute tatsächlich. Auf etwa 20.000 Einwohner kommen rund 60.000 Gästebetten und 6,8 Millionen Übernachtungen im Jahr. Kurpensionen gibt es zwar immer noch, die machen jedoch nur noch 10 Prozent des Gesamt-Tourismus aus. Unwahr ist allerdings das Vorurteil, auf Sylt sei es teurer als sonst wo, denn der an Lage und Ausstattung angepasste Preisspiegel liegt laut des Bundesverbands für Tourismus auf normalem Niveau, allerdings ist die Dichte von beispielsweise luxuriösen Restaurants hier ungleich höher als in "normalen" touristischen Gebieten. 10 Restaurants der Insel werden im Gault Millau erwähnt, sechs davon haben einen Michelin-Stern und nicht wenige bieten Delikatessen wie den "Sylter Royal" an. Dabei handelt es sich um eine Austernspezialität, die man beinahe ausschließlich auf der Insel bekommt, weil sie auf Sylt und in der Umgebung gezüchtet werden.

Mit der Fähre zum FKK-Strand pendeln?

Schreitet die Entwicklung wie bisher fort, hat Sylt bald keine Einwohner mehr und wird beinahe ausschließlich von Pendlern bedient. Schuld daran ist die Gentrifizierung. Die Wohnpreise der Insel steigen seit Jahren rasant an und zwingen ärmere Bevölkerungsschichten, auch solche, die in der Gastronomie arbeiten, auf das Festland zu ziehen. Schon jetzt werden circa 40% der Arbeitsplätze von Pendlern bedient, die per Zug oder Fähre auf die Insel kommen. Auch das Nacktbaden hat auf Sylt einen hohen Stellenwert. Sogar so hoch wie noch nie und obwohl extra ausgewiesene Bereiche wie "Sansibar" oder die beinahe weltbekannte "Buhne 16" leicht an Popularität verlieren, scheinen Nacktbadende ganz normale Bereiche langsam für sich zu entdecken. Schon längst regt sich kaum noch jemand auf, wenn auch auf normalen Stränden oben (oder unten) ohne gebadet wird. Ob sich hier allerdings eine neue Revolution der Freikörperkultur entwickelt, bleibt abzuwarten.

Wo geht die Reise hin mit Sylt?

Was damals als einfacher Kurort begonnen hat, hat sich heute zum größten touristischen Ballungszentrum Deutschlands entwickelt. Schon jetzt gibt es auf der Insel mehr Betten als eigentliche Bewohner und Tausende Menschen pendeln täglich per Zug oder Fähre durch die nordfriesischen Gewässer, um die zahlreichen Gäste zu verwöhnen und zu bedienen. Wo die Reise hingeht, vermag heute wohl kaum jemand zu wissen. Vielleicht wird Sylt zum neuen Paradies für Verfechter der Freikörperkultur oder vielleicht geht man zurück zu alten Wurzeln und lässt das Kurangebot wieder aufleben. Eines ist jedoch gewiss: Langweilig wird es mit Sicherheit nicht

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