120513stadtRadRatgeber - Die Situation in Harburg ist für Radfahrer dürftig bis stark ausbaufähig. Während in Altona der Anteil der Radler konstant bei 17 Prozent liegt, kommt Harburg gerade

einmal auf 5 Prozent. Autos bleiben mit 42 Prozent deutlich vorne, Bus und Bahn fallen mit 18 Prozent deutlich ab.

Einen Grund für diese Entwicklung war sicher auch die unbefriedigende Situation am Harburger Hauptbahnhof, die von vielen als mangelhaft bewertet wurde. Das Anbringen der Drahtesel an den fahrradbügelähnlichen Begrenzungen hatte die Deutsche Bahn gut sichtbar untersagt. Ein sicheres Abstellen war damit nahezu unmöglich. Insgesamt ist es nicht verwunderlich, dass viele auf Autos ausweichen, obwohl die Infrastruktur im gesamten Stadtgebiet tendenziell besser geworden ist. Doch der Süden hat hier besonders viel Nachholbedarf.

Mit dem Engagement der Grünen erwarten viele nun, dass in Sachen umweltfreundlicher Verkehrsplanung neue Impulse entstehen. Dem leichten Rückgang von Autos mit nachhaltigem Antrieb muss entgegengewirkt werden. Der aktuell niedrige Zinssatz macht Finanzierungsangebote wie einen Autokredit wieder attraktiver. Direktbanken wie die Norisbank verzeichnen einen Bedarfszuwachs. Denn mit einer um 4 Prozent wachsenden Nachfrage bei Elektroautos ist in dieser Sparte auch ein zunehmender Finanzierungsbedarf verbunden. Dennoch liegt Hamburg mit 0,8 Prozent unter dem Bundesschnitt von 1,7 Prozent bei dieser Art Fahrzeuge.

Neben dem Trend zu umweltfreundlichen Modellen steigt die Anzahl der Zulassungen bei Mietwagen. Ein Drittel der neuen Wagen geht auf das Konto von Mietgeschäften. Umwelttechnisch werden wohl aber die Radler den größten Sprung machen. Die neue Regierung plant, den Anteil der Zweiräder in den nächsten Jahren von 12 auf 25 Prozent zu erhöhen. Die Fahrradstraße entlang des Elbekanals kann hier als gutes Beispiel für das künftige Radverkehrsnetz der Stadt gelten.

Ein flächendeckendes Velo-Routen-Netz ist ein weiteres Ziel, von dem der Süden Harburgs besonders profitieren würde. Ein Konzept dafür gibt es bereits. Wie die TU Harburg festgestellt hat, ist der Ausbau von ressourcenschonenden und emissionsarmen Verkehrskonzepten eine Frage von Umweltgerechtigkeit. Mehr Räder bedeuten weniger Ressourcenverbrauch, weniger Schadstoffe und weniger Unfälle – nur muss die Infrastruktur die Voraussetzungen dafür bieten. dl

Veröffentlicht 27. März 2015