Ratgeber - Die Vorweihnachtszeit hat begonnen: Erste Weihnachtsmärkte haben bereits eröffnet, die Läden sind längst bunt geschmückt und überall überbieten sich Einzelhändler

mit Weihnachtsangeboten – in den Einkaufsstraßen der Hansestadt ebenso wie in Onlineshops. Prognosen stimmen die Branche optimistisch, doch gerade in dieser für den Einzelhandel wichtigsten Zeit des Jahres zeigt sich abermals: Immer mehr Umsatz wird im Internet generiert. Was bedeutet das für die traditionellen Einkaufsstraßen in Hamburg?

Hamburger Einzelhandel erwartet Plus von 7 Prozent

Während der Umsatz des Einzelhandels bundesweit in den Monaten November und Dezember nur moderat um 3,0 Prozent zum Vorjahreszeitraum auf 94,5 Milliarden Euro steigen soll, erwartet der Einzelhandel in der Hansestadt ein größeres Umsatzplus. Brigitte Nolte, Geschäftsführerin des Handelsverbands Nord, sagte dem Hamburger Abendblatt: „Wir erwarten einen Umsatz im Weihnachtsgeschäft in Hamburg von 2,57 Milliarden Euro“. Verglichen mit den bundesweiten Prognosen würde das ein mehr als doppelt so hohes Umsatzplus von 7 Prozent zum Vorjahr bedeuten. Im vergangenen Jahr wurden im selben Zeitraum 2,4 Milliarden Euro in der Hansestadt umgesetzt. Die Gründe für die Sonderstellung Hamburgs sind vielfältig: Zum einen sei die generelle Konsumstimmung Nolte zufolge „gut“, zum anderen habe die Zentralität Hamburgs zugenommen. Das bedeutet, dass mehr Menschen aus dem Umland in der Hansestadt einkaufen.

Onlinehandel verzeichnet erneut stärkstes Wachstum

Verlieren die Einkaufsstraßen in der Region trotz des boomenden Onlinehandels also doch nicht an Bedeutung? Zumindest sprechen die Zahlen eine differenziertere Sprache: Zum einen bescheinigen sie Hamburg eine große Sogwirkung und eine hohe Kauflaune, auf der anderen Seite laufen Onlineshops dem stationären Handel sukzessiv den Rang ab. Das hat viele Gründe: Einkaufen im Netz ist bequem, schnell, vielfältig und das Warenangebot wird immer breiter. Inzwischen kann man selbst sperrige Gegenstände wie Matratzen im Netz bei Anbietern wie eve finden; Internetriese Amazon bietet zudem schon Lebensmittel an. Die Lieferung frei Haus geht vor allem in Großstädten wie Hamburg immer schneller, sodass auch ein langes Warten auf bestellte Waren kaum noch ein Argument gegen den Onlinehandel ist.

Deutschlandweit in naher Zukunft bis zu 50.000 Einzelhändler vor dem Aus

Vor diesem Hintergrund verwundert es kaum, dass der Handelsverband Deutschland (HDE) in einer Broschüre prognostiziert, dass in deutschen Innenstädten „bis zu 50.000 Einzelhandelsadressen das Aus“ drohe – und das trotz der Tatsache, dass Großstädte wie Hamburg immer noch eine große Sogwirkung entfalten. Denn betroffen sind weniger die großen Ketten als vielmehr unabhängige Geschäfte in Kleinstädten oder anderen peripheren Lagen. Chancen bestehen für diese Geschäfte trotzdem: Service, Beratung und das haptische Aus- bzw. Anprobieren der Ware steht immer noch bei vielen Kunden hoch im Kurs. Zumal Innenstädte – erst Recht im November und Dezember dank ihrer Weihnachtsmärkte – Eventcharakter haben. Der Trend geht zudem immer mehr in Richtung einer Verquickung von Online- und Offline-Erlebnis. So kann man beispielsweise die erwähnten Matratzen von eve inzwischen in Hamburg und anderen Städten bei Karstadt probeliegen. Der HDE-Broschüre zufolge schätzen Besucher darüber hinaus noch weitere digitale Services in der Innenstadt: Besonders beliebt ist etwa die Möglichkeit, bestellte Ware im Ladengeschäft abholen zu können. Auch online Informationen über das Geschäft zu bekommen sowie freies WLAN in der Innenstadt sind wichtige Faktoren, die lokale Geschäfte gegenüber der Onlinekonkurrenz stärkt. dl