Cup of fresh coffee

Ratgeber - Glaubt man der Statistik, trinken 84,4 Prozent der erwachsenen Deutschen zusammen in der Sekunde 2315 Tassen Kaffee. Damit ist Deutschland nicht

nur das Land der Dichter und Denker, sondern auch der Kaffeetrinker. Doch wie sieht die Kaffeekultur in Deutschland aus?

Importschlager aus dem Orient

Das aromatische Heißgetränk fand im 17. Jahrhundert dank der Osmanen seinen Weg nach Europa, wo es ein zunächst die Salons der Reichen und Mächtigen eroberte. Vor knapp 300 Jahren entstanden die ersten öffentlichen Kaffeehäuser, was den eigentlichen Beginn der Kaffeekultur in Deutschland markiert. Hier trafen sich die Intellektuellen und Künstler, es wurden Geschäfte abgewickelt und debattiert. Schritt für Schritt avancierte der Kaffee zum Volksgetränk.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde Kaffee so rar, dass er als Ersatzwährung fungierte. Man versuchte zudem, das Aufgussgetränk durch geröstete Eicheln, Bucheckern oder Zichorien zu imitieren. Das Ergebnis war wenig bekömmlich und wurde als Muckefuck bekannt. Mit dem Wirtschaftswunder blühte die Kaffeekultur in Deutschland wieder auf. Zwischen 1950 und 1990 verfünffachte sich der Konsum der Bundesbürger. Ohne Kaffee geht an deutschen Frühstückstischen, Büros oder beim gemütlichen Kaffeeklatsch am Nachmittag nichts. Der Kaffeekonsum liegt bei 149 Litern pro Kopf im Jahr. Deutschland ist Importweltmeister im Bereich Rohkaffee.

"Draußen servieren wir nur Kännchen"

Der Klassiker in Deutschland ist Filterkaffee, der früher von Hand aufgebrüht wurde und aktuell immer häufiger mittels Kaffeevollautomaten zubereitet wird. Ein guter Kaffee gehört auf den Frühstückstisch ebenso wie zur sonntäglichen Kaffeetafel. Die Dosierung hängt vom Magen der Person ab, die ihn aufbrüht. Ist die empfindlich, gibt es einen eher schwachen Kaffee. Serviert wird er mit Kondensmilch und Zucker. Auch während des Spaziergangs am Sonntag gehört Kaffee dazu. Fast jeder kennt den Satz "Draußen servieren wir nur Kännchen", wenn ein typisches Ausflugslokal angesteuert wird. Trotzdem trinken die Deutschen ihren Kaffee immer noch am liebsten zu Hause.

Doch in den letzten Jahren haben sich die Gewohnheiten gewandelt. Während dem Filterkaffee mittlerweile ein muffiges Image anhaftet, haben zahlreiche Entwicklungen und Trends den Kaffee zu einem Getränk für absolute Trendsetter gemacht. In der Gastronomie werden unzählige Sorten kredenzt und "Coffee to go"; der schnelle Kaffee für zwischendurch, wird von gestressten Leuten und Teenagern auf Shoppingtour gleichermaßen geschätzt.

Brühverfahren und Sorten für jeden Geschmack

In der Gastronomie gibt es heute Kaffeekarten, die so lange wie Weinkarten sind. Zu Hause ist die Kaffeemaschine zu einer Art Statussymbol avanciert. Statt Filterkaffee haben Cappuccino, Espresso und Café Crème Einzug in die deutschen Küchen gehalten. Man fachsimpelt über Sorten und Mahlgrade. Der Markt erfindet sich permanent neu.

Trendsetter haben eine Maschine mit Pads, Kapseln oder Siebträgersystem, das eine Crema wie in Italien zaubert oder gönnen sich sogar einen Kaffeevollautomaten für die heimische Küche. Doch Deutschland erlebt gerade eine Art Renaissance klassischer Brühverfahren. So hält der gute alte Handfilter wieder Einzug in die Küchen.

Neben der Qualitätsmaschine muss es mittlerweile auch eine eigene Mühle sein, denn der Trend geht weg vom Industriekaffee zum selbstgemahlenen Kaffee. Das schwarze Trendgetränk kann jedoch auch politisch sein. Bündnisse wie Fair Trade setzen sich für faire Arbeits- und Handelsbedingungen in den Produktionsländern ein.

Kaffee erfindet sich stets neu

Kein Getränk hat Deutschland so sehr geprägt wie der Kaffee. Aus dem Alltag ist die schwarze Bohne nicht mehr wegzudenken. Kaffeespezialitäten gehören zum Businessmeeting genauso wie zum Familientreffen. Der Markt wartet beinahe täglich mit neuen Kreationen und Konzepten auf. Dabei schafft es das Getränk, sich inmitten der flexiblen und kreativen Kaffeekultur hierzulande stets, sich neu zu erfinden.