Ratgeber - Nicht nur Hamburger wissen: Der Norden hat einiges zu bieten. Wer sich mit dem Wohnmobil auf die Reise macht, findet in Schleswig-Holstein interessante

Ziele. Sehenswert ist nicht nur die Altstadt von Lübeck, auch die beliebte Urlaubsinsel Sylt ist schnell erreicht. Dazu bietet sich ein Abstecher nach Kiel oder Hamburg an. Wer noch kein Wohnmobil besitzt, um die raue Landschaft zwischen Ostsee und Elbe ganz individuell zu entdecken, sollte den Kauf in Betracht ziehen - oder sich für den Urlaub ganz einfach ein Wohnmobil mieten. Welche Variante ist für wen empfehlenswert?


Wohnmobile auf dem Vormarsch

Wohnmobile werden immer beliebter: Allein zwischen Januar und März 2016 konnten 8.863 Fahrzeuge abgesetzt werden. Die Steigerung von 1.700 Reisemobilen gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht einem Wachstum von mehr als 24 Prozent. Rund 65 Prozent der der Zulassungen entfallen dabei auf private Käufer - der Trend zum flexiblen und individuellen Urlaub mit dem Wohnmobil hält an.

Jost Krüger vom Caravaning Industrie Verband (CIVD) kann sich über diese Zahlen erwartungsgemäß nur freuen, rät aber nicht jedem Interessenten direkt zum Kauf: Durchschnittlich fielen bei einem Wohnmobil Anschaffungskosten in Höhe von 68.000 Euro an, was sich nur bei intensiver Nutzung lohne. Der Fachmann gibt zu bedenken, dass Interessenten mit Fernweh im Vorfeld kaum abschätzen könnten, ob diese Nutzung tatsächlich realistisch ist. Wir mit dem eigenen Camping-Mobil unterwegs ist, schätzt die bei längeren Aufenthalten geringeren Kosten und die Freiheit. Anders als bei einem Hotel ist eine Buchung lange im Voraus nicht unbedingt notwendig, zudem herrscht im eigenen Reisemobil auch eine gewisse Privatsphäre. Dafür ist das Platzangebot bekanntermaßen eingeschränkt, und auch die Beherrschung des Fahrzeugs bedarf einiger Übung. Krüger rät deshalb dazu, dass Wohnmobil für den ersten Urlaub durch Schleswig-Holstein, Hamburg & Co. zu mieten. Wer nach einigen Wochen auf vier Rädern nur widerwillig die Heimreise antritt, könnte sich dann über den Kauf ernsthafte Gedanken machen. Um ein wirkliches Schnäppchen handelt es sich nämlich auch bei der Miete des Wohnwagens nicht: Je nach Ausstattung und Region müssen zwischen 80 und 160 Euro pro Tag einkalkuliert werden.

Kaufen lohnt sich erst ab etwa sechs Wochen Nutzung pro Jahr

Der ADAC wird hinsichtlich einer Kaufempfehlung konkreter. Als Faustregel gilt laut des Automobilclubs, dass ein Wohnwagenkauf bei einer Nutzung von mindestens sechs Wochen jährlich lohnt. Insbesondere Pensionäre, die einige Monate im Jahr auf Reisen sind, fahren mit der eigenen Anschaffung günstiger. Die hohe Nachfrage nach gebrauchten Wohnmobilen ist groß, entsprechend gering fällt der Wertverlust aus.

Wer die hohen Kosten für ein luxuriöses Reisemobil nicht tragen möchte, kann sie stattdessen auch für einen kompakten Kastenwagen mit Dachbett entscheiden. Die Vorteil
e: Die Investition fällt mit 35.000 Euro deutlich moderater aus, zudem ist eine Nutzung als Zweitwagen eher möglich, als bei einem Wohnmobil.   Auf engen Wegstrecken und in Innenstädten sind die Kastenwagen zudem problemloser durch den Verkehr zu lenken.

Bei der Frage, ob ein eigenes Wohnmobil gekauft oder besser angemietet werden sollte, spielen aber nicht nur monetäre Aspekte eine Rolle. Für viele Camper ist das Wohnmobil auch ein Hobby; nicht wenige erfüllen mit dem Gefährt zum Renteneintritt einen Lebenstraum. Das eigene Wohnmobil wird dann Stück für Stück den eigenen Wünschen angepasst und individualisiert. Zudem dürfen Wohnmobile schon wegen der geringen Nutzung nicht nach PKW-Maßstäben bemessen werden. Eine langjährige Verwendung ist problemlos möglich, oft halten die Fahrzeuge gar Jahrzehnte - auch wenn dann naturgemäß das Reparaturrisiko steigt. Über solche Fragen muss sich der Fahrer eines gemieteten Reisemobils nicht den Kopf zerbrechen - er kann einfach die Schönheit Schleswig-Holsteins und die pulsierende Metropole Hamburg erleben.