Ratgeber - Besorgniserregende Zeiten für Geflügelhalter in Norddeutschland: In einem Tiermastbetrieb in Schleswig-Holstein ist kürzlich

die Vogelgrippe ausgebrochen. Etwa 30.000 Hühner mussten gekeult werden, damit sich die durch den H5N8-Virus ausgelöste Geflügelpest nicht weiter ausbreitet. Strenge Sicherheitsmaßnahmen sind erforderlich, die Stallpflicht wurde überregional verordnet.

Drastische Seuchenschutzmaßnahmen

Sollte sich die Vogelgrippe weiter ausbreiten, können die wirtschaftlichen Folgen für Großbetriebe der Region verheerend sein. Erkrankt ein Tier aus einer Gruppe, müssen alle getötet werden. Das ist zwar äußerst existenzgefährdend für den betroffenen Betrieb, aber so schreibt es der Gesetzgeber als Seuchenschutzmaßnahme vor.

In Alarmbereitschaft befinden sich nicht nur die Produzenten, auch fleischverarbeitende Betriebe müssen mit möglichen Konsequenzen rechnen und mit absoluter Vorsicht und Genauigkeit vorgehen. In der Bundesrepublik herrschen strenge Richtlinien für fleischverarbeitende Betriebe. Traditionsfirmen aus Niedersachen wie Schwarz Cranz müssen derzeit noch akribischer auf die Einhaltung von Hygienestandrads achten.

Stallpflicht und weitere Schutzmaßnahmen

Der letzte große Ausbruch der Vogelgrippe im Winter 2014 hielt ganz Deutschland im Atem, auch Mastbetriebe in Niedersachen waren betroffen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sah seinerzeit die internationalen Handelsströme vor allem aus Asien als wahrscheinlichsten Übertragungsweg für die Vogelgrippe. Im aktuellen Fall vermutet man, dass der H5N8-Erreger mit Zugvögeln aus Russland nach Deutschland gekommen ist.

Entscheidungen müssen gerade möglichst schnell getroffen werden. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hat den „Zentralen Krisenstab Tierseuchen“ einberufen. Seit Mitte November besteht eine Stallpflicht für Geflügel. Zwar sind laut niedersächsischem Landwirtschaftsministerium bislang keine Vogelgrippe-Fälle in Niedersachsen aufgetreten, trotzdem müssen Hühner, Enten und Gänse auch in Harburg konstant im überdachten Stall oder in den Volieren bleiben, damit Zugvögel sie nicht anstecken können. Betroffen sind davon alle Geflügelhalter – vom Hobbyzüchter bis zum großen Mastbetrieb. Auch die Flamingos des Tierparks Hagenbeck in Hamburg und die Alsterschwäne beziehen aus Sicherheitsgründen in diesem Jahr ihr geschütztes Winterquartier früher als üblich.

Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer (Grüne) wendet sich eindringlich an alle Geflügelhalter und mahnt zu Aufmerksamkeit. Über die Stallpflicht hinaus sind weitere Schutzmaßnahmen erforderlich. So darf kein Trinkwasser verabreicht werden, zu dem Wildvögel Zugang haben. Futter und Streu muss so gelagert werden, dass keine Wildvögel damit in Berührung kommen könnten. Schutzkleidung und besondere Hygienemaßnahmen sollen die Vogelgrippe-Gefahr weiter minimieren. dl