Ratgeber - Ein Rundumblick auf all die eifrigen Smartphone-User in der Bahn Richtung Hamburger Innenstadt reicht mittlerweile aus, um festzustellen, dass die

mobile Kommunikation längst jeden Lebensbereich erreicht hat – so auch die Liebe. Sie wird unterwegs per App gesucht und gefunden, spontane Treffen folgen: ein simples, aber umso erfolgreicheres Konzept, das mit immer neuen Features weiterentwickelt wird. Wir erläutern, wie Kennenlernen heute funktioniert und was sich die Branche einfallen lässt, um Leute spielerisch miteinander bekannt zu machen.

Von der Flirt-App zum Social Discovery Network

Als Social Discovery Network sollen digitales und analoges Kennenlernen verbunden werden – Spezielle Apps entwickeln daher Wege, um nicht mehr nur romantische Flirts, sondern auch freundschaftliches Kennenlernen zu ermöglichen. Die deutsche App Lovoo setzt beispielsweise auf ein "Liveradar", das andere Kontaktsuchende in der Umgebung anzeigt. Das Prinzip hat sich vor allem in Großstädten rasant verbreitet: In Deutschland ist die Applikation in Hamburg, München und Berlin am beliebtesten. Doch damit nicht genug: Mittlerweile gibt es die App in 17 Ländern, Anfang 2016 sollen insgesamt 40 Millionen Nutzer registriert gewesen sein. Da die auf dem Radar angezeigten Nutzer direkt angeschrieben werden können, kann sich schnell ein Netzwerk ergeben, das über rein romantische Intentionen hinausgeht. Einen ähnlichen Schritt wagt jetzt das US-Portal Tinder, das mit einem Matching-Prinzip groß geworden ist: Hier bekommen Nutzer in Windeseile Flirt-Vorschläge, anschließend kann nach Interesse und kein Interesse sortiert werden. Im Gegensatz zu Lovoo können Leute aber erst angeschrieben werden, wenn das Interesse auf Gegenseitigkeit beruht. Das Prinzip ist nicht minder erfolgreich und bringt es laut Focus auf "weltweit geschätzt 50 Millionen" User. Um die App zum sozialen Netzwerk weiterzuentwickeln, wird in Australien zurzeit eine neue Gruppenchat-Funktion getestet. So sollen sich ganze Gruppen daten können und beispielsweise Verabredungen für das Wochenende getroffen werden.

Konkurrenz für Messenger-Dienste und Facebook?

Die Dating-Apps wollen also gleich mehrere Bereiche in einem Programm vereinen: klassisches Dating, Social Network und Messenger. Damit ist die zukünftige Konkurrenz auch klar definiert. Was die Smartphone-Apps aber zusätzlich mitbringen, ist die lokale Komponente: Gesucht wird immer in einem regional festgelegten Umfeld. Gerade Features wie die Radar-Funktion von Lovoo zielen letztlich darauf ab, aus der Online- eine Offline-Bekanntschaft beziehungsweise eine "richtige" Partnerschaft werden zu lassen. Auch die Mobilität spielt dabei eine Rolle: So können auch Standortwechsler neue Kontakte knüpfen oder Urlauber mit Einheimischen bekannt werden – dieser Tester kam zum Beispiel in den USA schnell ins Gespräch mit anderen Leuten. Das Potenzial ist also vorhanden und ein leichtes Kennenlernen immer und überall längst keine Utopie mehr. Ob bzw. wann den großen sozialen Netzwerken wie Facebook auf diese Weise der Rang abgelaufen werden kann, bleibt allerdings abzuwarten.

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Veröffentlicht 12. Mai 2016