Ratgeber - Denkt man an Gemüse aus der Region, dann fällt einem sofort der Gang zum nächsten lokalen Biomarkt ein. Noch unmittelbarer und direkter geht es

eigentlich nicht – oder doch? Seit einiger Zeit ist "Urban Gardening" en vogue – Selbermachen lautet die Devise, und zwar ganz ohne Kleingarten, Grundstück oder Spießigkeit. Das eigene Gemüse ist zu einhundert Prozent Fairtrade, biologisch und regional. Dabei müssen es keineswegs immer Tomaten sein: Auf kleinem Raum kann man erstaunlich viele weiter Gemüse- und Obstsorten züchten. Hat man Kinder, ist der Effekt doppelt wertvoll, denn so erfährt der Nachwuchs hautnah, woher die Zutaten für den Salat stammen. Angehenden Hobbygärtner, die jetzt an Pflanzen denken, die mehr sind als nur Gemüse, muss allerdings der Wind aus den Segeln genommen werden. Zwar liegt seit dem 8. Januar 2016 ein Gesetzesentwurf vor, der vorsieht, Cannabis als Medizin zu legalisieren, momentan ist der Anbau jedoch noch nicht erlaubt.

Hochbeet zum Selberbauen

Selbst wenn auf dem heimischen Balkon nur relativ wenig Platz zur Verfügung steht, muss man keineswegs auf ein Beet verzichten. Wer die Höhe clever ausnutzt, kann selbst mit einer kleinen Fläche Ernteerfolge erzielen. Ein improvisiertes Hochbeet kann man sich zum Beispiel aus einem alten Tisch fertigen, der mit Rändern ergänzt wird. Dazu braucht man lediglich zugeschnittene Bretter, Winkel, Nirosta Schrauben und einen Akkuschrauber. Der so entstandene Kasten muss mit Folie ausgelegt und anschließend mit Abflusslöchern für überschüssige Flüssigkeit versehen werden – fertig ist das Hochbeet. Weil Gemüse mehr Nährstoffe braucht, ist es sinnvoll, im Baumarkt Aussaaterde oder spezielle Gemüseerde einzupacken. Die Samen für das Gemüse der Wahl findet man dort ebenfalls oder alternativ online. Die klassischen Tomaten gedeihen aber nach wie vor besser im separaten Topf, da sie recht tief wurzeln und viel Wasser brauchen. Perfekt geeignet für die Zucht im Hochbeet sind Zucchini, Kohlrabi, Radieschen, kleine Kürbisse, Pflücksalat, diverse Kräuter und Erdbeeren.

Stadtgärten als Gemeinschaftserlebnis

Will man nicht alleine vor sich hin pflanzen, bieten sich Projekte wie die Hamburger Keimzelle an. Hier kann jeder mitmachen, der möchte; Teil eines Vereines oder einer Gruppe zu sein, ist nicht nötig. Das soziale Projekt sitzt im Karolinenviertel und lädt seit 2011 jeden, der möchte, ein mitzumachen. So kann man das gemeinsame Interesse für das Gärtnern teilen und Erfahrungen für die eigene Gemüsezucht sammeln. Neben dem Anbau wird hier oft auch gemeinsam gekocht und die gemeinsam erzeugten Produkte zusammen verspeist. In Hamburg existiert eine Vielzahl ähnlicher Projekte. Seiten wie gruenateil.net helfen dabei, das nächstgelegene ausfindig zu machen. Im Frühling ist die beste Zeit, sich selber den grünen Daumen zu beweisen oder in einem solchen Projekt mitzuarbeiten. dl

Veröffentlicht 4. April 2016