140809Schiesserei2Harburg – Es ist eine der blutigsten Auseinandersetzungen, die es in den vergangenen Jahren in Hamburg gab. Bei einer Schiesserei an der Wilstorfer Straße sind in der Nacht zum

Sonnabend ein Mann getötet und weitere verletzt worden. Bei den Toten handelt es sich um den 32 Jahre alten Sokal B.. Der Albaner war der Polizei bislang nicht bekannt. In Deutschland hat er keinen festen Wohnsitz. Er gehörte danach zu einer Gruppe Landsleuten, die mit einer Gruppe Türken aneinander geriet. Dabei eskalierte die Situation völlig. Ein Anwohner sprach von zahlreichen Schüssen, die fielen. Auch Messer sollen eingesetzt worden sein. Die Mordkommission ermittelt.

Es war kurz vor 1 Uhr, als, so ein Zeuge, „acht bis zehn“ Schüsse fielen. Polizisten der Bereitschaftspolizei, die dort auf Streife waren, sahen noch, wie in Höhe Baererstraße aus einer Gruppe Männern heraus geschossen wurde. Sokal B. lag auf der Straße, sein Bruder Ramadan B. (36) vor 140809Schiesserei1140809Schiesserei3dem Polizeigebäude, in dem die Wasserschutzpolizei und Kripodienststellen ihren Sitz haben. Notärzte und Rettungsassistenten von Feuerwehr und DRK kümmerten sich um die Verletzten. Der Mann auf der Straße, der Stichverletzungen und vermutlich auch eine Schussverletzung erlitten hatte, starb den Einsatzkräften trotz Reanimationsversuchen unter den Händen weg. Ramadan B., der mindestens von einer Kugel getroffen wurde, kam unter Notarztbegleitung ins Krankenhaus. Er liegt auf der Intensivstation. Polizisten stoppten im Rahmen einer Fahndung einen Mercedes, in dem einer von drei in die Auseinandersetzung verwickelten Türken verletzt am Steuer saß. Der Mann kam ins Krankenhaus und später auf die Polizeiwache. Ein zweiter Mann wurde an der Hannoverschen Straße gestellt. Er hatte eine Schnittverletzung. Der dritte der Gruppe zugerechnete Mann wurde in einem Krankenhaus angetroffen, in dem er wegen seiner Verletzungen war.

Die ganze Nacht hindurch bis in den Morgen sicherten Beamte der Mordkommission und der Kriminaltechnik am Tatort Spuren. Auch ein VW Golf, der in Höhe des Erschossenen in einen geparkten Mercedes gefahren war, wurde sichergestellt. Das Fahrzeug gehört einem der Beteiligten. Auch eine 3D-Kamera, mit der der Tatort vermessen wurde, sowie Sprengstoffspürhunde, mit denen nach Patronenhülsen und möglichen weggeworfenen Waffen gesucht wurde, kamen zum Einsatz. Das Motiv ist völlig unklar. Ramadan B., der lebensgefährlich verletzt wurde, hat wie sein Bruder keinen festen Wohnsitz in Deutschland. Bei der Polizei ist er wegen Körperverletzung und Waffenbesitz bekannt. Die drei Kontrahenten kommen aus dem Bereich Wilhelmsburg. Sie sind der Polizei im Zusammenhang mit Gewalttaten bekannt. In ihrer Vernehmung machten sie keine Aussage. Alle lassen sich von Anwälten vertreten. "Am Tatort wurden eine Axt, ein Messer und diverse Patronenhülsen sichergestellt", sagt Hauptkommissarin Karina Sadowsky. "Eine Schusswaffe wurde nicht gefunden." Am Sonntag kamen Bilal B. (35), Mehmet B. (29) und Ahmed B. (38), die alle aus einer Familie stammen, vor der Haftrichter. Der ordnet Untersuchungshaft an.

Die Wilstorfer Straße 140809Schiesserei6ist seit Jahren immer wieder Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen. 2011 wurde nach einem Streit in einer Kneipe ein 23-Jähriger angeschossenen. Der Schütze, ein 26 Jahre alter Tschetschene, wurde140809Schiesserei5 später deswegen in Frankreich festgenommen. 2010 wurden zwei 18 und 19 Jahre alte Männer bei einer Auseinandersetzung zwischen mehreren Polen und Russen durch Messerstiche schwer verletzt.

2003 bekam der Abschnitt der Wilstorfer Straße zwischen Moorstraße und Hohe Straße den Beinamen „Straße der Gewalt“, nachdem es dort zu mehreren Polizeieinsätzen gekommen war, bei denen die Beamten attackiert wurden. Eine Zeitlang hatte es dort auch eine offene Drogenszene gegeben. Viele kleine und größere Gewaltdelikte folgten. Die Polizei wirkt bis heute wie machtlos, bekommt die Gegend einfach nicht in den Griff. zv

Veröffentlicht 9. August 2014

Dieser Artikel wurde am Montag, den 11. August um 12 Uhr aktualisiert. Weitere Aktualisierungen folgen.

Artikel 2011 zur Schiesserei 2011