120709VU5Harburg –  Raser auf der B73, völlige Ignoranz gegenüber Rechts-vor-Links in Tempo-30-Zonen, Pöbeleien, Stinkefinger – das sind die Eindrücke, mit denen sich wohl jeder

Verkehrsteilnehmer täglich in Harburg auseinandersetzen muss. Und doch ist der Bezirk kein besonderes Pflaster. In der Verkehrsunfallstatistik der Polizei fällt Harburg jedenfalls kaum auf.

Zwar hat es im vergangenen Jahr 5128mal polizeilich registriert gekracht, das waren auch gut 300 Unfälle mehr als noch 2011. Trotzdem steht der Bezirk mit dieser Bilanz relativ gut da, nur im Bezirk Bergedorf krachte es noch seltener. „Auch wenn wir diese Zahlen mit der Bevölkerungszahl in den einzelnen Bezirken vergleichen, fällt Harburg keinesfalls aus der Reihe“, sagt Polizeidirektor Günter Sellmann, Leiter des Polizeikommissariats 46.

Allerdings waren 2012 im Harburger Straßenverkehr auch fünf Tote zu beklagen. Die Anwohner des Ehestorfer Heuwegs sind immer noch geschockt, wenn sie an den tragischen Unfall eines Geschwisterpaars denken. Ihr Wagen war in einer langgezogenen Kurve auf Grund überhöhter Geschwindigkeit von der Fahrbahn abgekommen und in einem Vorgarten gelandet (Foto). Nach Angaben der Polizei waren die Opfer nicht angeschnallt. Unvergessen sind auch die beiden Fußgänger, die beim Überqueren der Winsener Straße von Autos erfasst und tödlich verletzt wurden.

„In diesen Fällen war individuelles Fehlverhalten wohl eine Unfallursache“, sagt Sellmann. „Da sind wir machtlos.“ Gleichwohl gebe es im Harburger Straßenverkehr Auffälligkeiten, die die Polizei künftig noch stärker beobachtet: Da sind zum einen die weit überhöhten Geschwindigkeiten auf den Ausfallstraßen, zum anderen aber auch die Missachtung des Halteverbots vor Schulen. Sellmann: „Paradoxerweise sind gerade die Eltern, die das Halteverbot ignorieren.“ Wenn sie ihre Kinder zur Schule bringen oder abholen, achteten sie in den sogenannten „Kiss-and-Go-Zonen“ nicht auf die Sicherheit ihrer Kinder.

Ohnehin machen die Kinder der Polizei zunehmend Sorgen. In ganz Hamburg gab es einen deutlichen Anstieg (plus neun Prozent) bei der Zahl der im Straßenverkehr verunglückten Kinder. Mehr als ein Drittel der Opfer war mit dem Fahrrad unterwegs. „Da gibt es Handlungsbedarf“, sagt Sellmann. ag

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