091021bombe5Wilhelmsburg - Genau 58 Minuten brauchten Sprengmeister, um am Mittwochabend, eine um die 1.000 Pfund schwere Fliegerbombe zu entschärfen. Der Blindgänger war bei gezielten Sucharbeiten entdeckt worden.

 "Der Blindgänger lag in knapp drei Metern Tiefe", sagt Feuerwehrsprecher André Braker. "Für die Entschärfung wurde er freigelegt, angeschlagen und mit Hilfe eines Baggers aus der Grube geholt." Um genau 18.52 Uhr begannen die Sprengmeister Hermann Borelli und Burkhard Mantsch mit der Entschärfung. "Besonders schwierig war es diesmal, die eingebrannten Verschmutzungen am Bombenboden zu beseitigen", sagt Borelli. Dafür steht den Spezialisten lediglich eine Drahtbürste zur Verfügung.

Fast an der selben Stelle war am 6. Oktober eine Fliegerbombe entdeckt und entschärft worden. Die Kampfmittelräumer schließen nicht aus, dass die jetzt entschärfte Bombe beim selben Angriff abgeworfen wurde.

Die Aktion am Mittwochabend war mit umfangreichen Evakuierungen und Sperrungen verbunden. Am Schwentnerring mussten diesmal mehrere Wohnblocks evakuiert werden. "Die Fundstelle des Blindgängers lag weiter östlich", sagt der Chef der Polizeiwache Wilhelmsburg, Stefan Schneider. "Damit waren die Häuser im Gefahrenradius von 300 Metern." Rund 1.400 Menschen waren betroffen. Für sie richtete die Feuerwehr an der Gewerbeschule Dratelnstraße und im Ortsamt Mengestraße Sammelstellen ein. Mehrere gehbehinderte Menschen kamen im Großraumrettungswagen der Feuerwehr unter. Für weit mehr Anwohner war "luftschutzmäßiges Verhalten" angeordnet worden. Sie mussten in ihren Wohnungen bleiben.Im betroffenen Bereich, der östlich bis in die Wohngebiete und westlich bis an die Georg-Wilhelm-Straße reichte, waren auch die Straßen für Fahrzeuge gesperrt.

Große Auswirkungen hatte die Entschärfung auch auf den Bahnverkehr. Die S-3 und S-31, sowie die Fernbahn waren lahm gelegt. Bereits ab 18 Uhr hielten keine Züge mehr in Wilhelmsburg. Ab 18.48 Uhr musste der Bahnverkehr bis zum Ende der Entschärfung komplett eingestellt werden. "Wir haben Busse vom Berliner Tor über Hammerbrook und über die A1 nach Harburg und von Altona nach Neuwiedenthal eingesetzt, damit die Menschen mit der S-Bahn nach Harburg oder Stade weiter kamen", sagt Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis. Das war bei der vorangegangenen Entschärfung noch nicht so gewesen. "Wir probieren das jetzt erstmals aus", sagt Meyer-Lovis.

Beim Kampfmittelräumdienst geht man davon aus, dass es nicht die letzte Blindgängerentschärfung in dem Bereich sein wird. "Bei dem Gelände handelt es sich um eine Bombenverdachtsfläche", sagt Braker. Es dürften noch zahlreiche Blindgänger im Boden liegen. (zv)
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