121011ErnaLHeimfeld - Erna K.  ist einfach clever. Polizisten konnten durch ihr toughes Verhalten in Heimfeld einen Enkeltrickbetrüger festnehmen. Der 17-Jährige ist Komplize eines Mannes, der die 86-Jährige um 36.000 Euro bringen wollte. Doch Erna K. machte alles richtig. So gab es für den gemeinen Betrüger statt Banknoten Handschellen.
Der „Krimi“ begann mit einem Anruf am Mittwochmorgen . „Ich bin es. Dein Neffe“, log der Täter am anderen ende der Leitung. Doch Erna fiel nicht auf die Masche rein. „Ich habe gar keinen Neffen“, sagt sie. Außerdem hatte schon vor zwei Wochen ein Anrufer versucht, sich als Verwandter auszugeben. „Als ich fragte, wie er heißt, hat er aufgelegt“, sagt die alte Dame. Danach informierte sie sich über Enkeltrickbetrug und war gewappnet. Dem Anrufer am Mittwoch gab sie den Namen „Rudolph“. „So hieß ein Onkel von mir“, sagt sie. „Rudolph“ witterte leichte Beute. Er erzählte die Geschichte von einem unglaublich guten Immobilienkauf, von einem Notartermin auf der Veddel und von 36.000 Euro, die er ganz dringend bräuchte, weil sonst der Kauf zu platzen drohe. Erna K. drehte den Spieß um. „Für meine Familie tue ich doch alles“, flunkerte sie und lockte so den Täter in die Falle. Der war sich nicht nur seiner Beute sicher, sondern versuchte dreist noch mehr Geld zu fordern. Dann ein Anruf, den die Täter eigentlich immer machen. „Ich selbst kann nicht kommen“, log der Mann. Ein „Herr Schmidt“, der ohnehin auf dem Weg nach Buxtehude sei, solle für den angeblichen Neffen das Geld abholen. „Ich habe dann Bedenken geäußert“, sagt die 86-Jährige. Die versuchte der Täter zu zerstreuen. „Ich habe seinen Ausweis. Der kann gar nicht anders, als mir das Geld zu geben“, behauptete der Mann. „Er hat mich dann immer wieder angerufen und wollte wohl wissen, ob ich schon los bin“, sagt die 86-Jährige, die gleich nach dem ersten Telefonat die Wache Harburg angerufen hatte. Dann ging alles ganz fix. Experten der Fachdienststelle rückten an. Erna K., die das Geld bereits von der Sparkasse geholt, wurde heimlich begleitet. Als er an der Buxtehuder Straße zur Geldübergabe kommen sollte, ging alles ratzfatz. Zwei Beamte stürmten an Erna K. vorbei und griffen sich den Täter. „Der hat geschrien“, erinnert sich die alte Dame an die Festnahme. Sie selbst war unheimlich aufgeregt. „Mir haben die Hände gezittert“, sagt sie.
Der Geldabholer entpuppte sich als der 17 Jahre alte Johni L., ein polnischstämmiger Jugendlicher, der in Solingen wohnt. Gegen ihn beantragte die Staatsanwaltschaft Haftbefehl. Das Jugendliche zur Geldübergabe, dem riskanten Teil des Enkeltrickbetruges, eingesetzt werden, gehört zur Masche. Sie fallen unter das milde Jugendstrafrecht. Die Anrufer selbst sitzen in der Regel im Ausland. „Rudolph“ wird, wie viele andere solcher Täter, in Polen vermutet. Die Opfer suchen sich die Enkeltrickbetrüger in Telefonbüchern. Es wird nach Vornamen gesucht, die heute nicht mehr gebräuchlich sind. Dann werden über eine einstudierte Gesprächsführung Informationen dem Opfer entlockt, die dann eingesetzt werden, um glaubhaft zu machen, dass man tatsächlich ein verwandter ist.
„Fällt das Opfer auf diese Täuschung herein, wird eine kurzfristige Übergabe von Bargeld zur Behebung der angeblichen Notlage vereinbart“, sagt Hauptkommissar Andreas Schöpflin. „Auf diese Weise verlieren die Opfer nicht selten ihre über Jahre  angesammelten Ersparnisse.“ Sein Tipp: Bei Anrufen, bei denen angebliche Verwandte dringend und kurzfristig Geld in finanziellen Notlagen brauchen, sollte man vorsichtig und argwöhnisch sein. zv