120518moko3Harburg – So eine brutale Tat hat Harburg lange nicht gesehen. Auf offener Straße, am helllichten Tage, direkt in der City haben am Freitag offenbar mehrere Täter versucht einen Mann (41) umzubringen. Es war offenbar ein

gezielter Angriff. Die Täter hatten den Wagen, in dem das Opfer saß, auf der Kreuzung Sand Ecke Schloßmühlendamm aufgestoppt und den Mann angegriffen. Der versuchte in Todesangst zu entkommen. Entsetzte Passanten sahen mit an, wie fünf bis sechs Männer ihn einholten und nieder machten.

Es war wie eine Szene aus einem Mafia-Film, als am späten Nachmittag der Audi mit roten Nummernschildern, in dem Opfer Joseph M. mit einem anderen Schwarzafrikaner und dem Fahrer saß, beim Abbiegen Richtung Sand von einem dunklen Wagen aufgestoppt wurde.  Entsetzte Passanten sahen mit an, wie der Schwarzafrikaner aus dem Wagen sprang und, von mehreren Südländer verfolgt, um sein Leben lief. „Einer der Täter hatte eine Krücke. Damit prügelte er auf den Mann ein“, sagt ein Zeuge. Ein anderer Angreifer stach zu. Im Rücken getroffen, stark blutend torkelte der Angegriffene davon.

Verzweifelt versuchte er in vor der roten Ampel stehende Autos zu flüchten. Blut an den Fahrzeugen zeugt davon. Die Täter holten ihn ein, prügelten weiter. Ermittler konnten später genau nachvollziehen, auf welchem Weg der Angegriffene zu entkommen versuchte. Ein Blutspur am Boden markierte die Fluchtweg des Opfers.

Polizisten konnten drei der 18, 23 und 26 Jahre alten Männer festnehmen. Die anderen Angreifer konnten in dem dunklen Wagen flüchten. Das Opfer kam ins Krankenhaus. Dort musste der Mann notoperiert werden. Am Sonnabend hieß es: Der Mann ist außer Lebensgefahr.

Die Mordkommission übernahm den Fall. Dort geht man davon aus, dass die Angreifer den Mann umbringen wollten. Die Beamten ermitteln wegen eines versuchten Tötungsdeliktes. Bei der Anfahrt hatten sie es nicht weit. Sie waren gerade von einem anderen Tatort in Harburg gekommen, an dem eine 20 Jahre alte Frau bei einem Streit in der Anzengruberstraße durch mehrere Messerstiche lebensgefährlich verletzt wurde. Dort wurde der Täter (21) festgenommen.

„Wir wissen bislang nichts über die Hintergründe und stehen noch ganz am Anfang der Ermittlungen“, sagt am Abend ein Beamter zu der Bluttat vom Sand. Zahlreiche Augenzeugen müssen noch vernommen werden. Aber die Polizei hat auch umfangreiches Videomaterial, das nicht nur den gesamten Tatablauf dokumentiert. Es gibt auch gute Bilder von dem eigentlichen Messerstecher. Er war der Mann, der nach der Attacke entkam. Der Rest der Angreifergruppe kam zunächst zur Wache in Harburg, dann ins Polizeipräsidium. Unglaublich schnell nach der Tat tauchten bereits die Anwälte der Festgenommenen auf. Bitter: Die drei festgenommenen Männer, alle stammen aus einer Familie aus dem ehemaligen Jugolsawien, machten keine Aussage und mussten später wieder auf freien Fuß gesetzt werden. Es wird weiter gegen sie ermittelt. Für Untersuchungshaft reichte es nicht. Nach dem Haupttäter wird gefahndet.

Am Tatort sicherten Kriminaltechniker mit Hilfe einer 3D-Kamera Spuren. Gerüchte besagen, dass es bei dem gezielten Angriff um ein Racheakt wegen Geldschulden gegangen sein. Das konnte die Polizei zunächst nicht bestätigen. Das sich der 41-Jährige in dem Bereich Schloßmühlendamm aufhielt, mussten die Täter gewusst haben. Die beiden anderen Insassen des Audis haben offenbar nichts mit der Tat zu tun. Das Opfer kurze Zeit bevor der Wagen aufgestoppt wurde zugestiegen. zv

 

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