120123FaehrstrWilhelmsburg - Erneut ist es in Wilhelmsburg zu einer Tragödie mit einem Kind gekommen. Dort starb ein elf Jahre altes Mädchen an einer Methadon-Vergiftung. Bislang ist unklar wie das Kind, das bei einer Pflegefamilie in der Fährstraße lebte,

an die Ersatzdroge gekommen ist. Die Mordkommission ermittelt.

 

Methadon ist ein synthetisch hergestelltes Opioid, das als Ersatzmittel für Heroin benutzt wird und das in einer Überdosis genauso tödlich ist. Am 16. Januar muss das Mädchen an Methadon gekommen sein. Als seine Pflegemutter bemerkte, dass mit dem Mädchen etwas nicht stimmte, war es schon zu spät. Verzweifelt versuchte die Frau das Kind zu reanimieren bis ein Notarzt da war. Der ließ das Kind ins Krankenhaus bringen. Dort stellten die Ärzte den Tod der Schülerin, die in die 5. Klasse ging, fest.

Die Mordkommission hatte schon frühzeitig den Fall übernommen. "Das ist bei so jungen Todesopfern nicht unüblich", sagt ein Beamter. Die vorläufige Obduktion ergab: "Das Kind war organisch gesund und zeigte keine Anzeichen von Unterernährung oder Verwahrlosung. Die Pflegeeltern, bei denen das Mädchen über ein Jahr lebte, haben noch ein weiteres Pflegekind und drei leibliche Kinder. Vorfälle gab es in der Familie nicht. Auch haben die Pflegeeltern nach Erkenntnissen der Polizei nichts mit Drogen zu tun.

Das gilt nicht für den Vater der Elfjährigen, der Drogenabhängig war. Zu ihm hatte das Mädchen regelmäßig Kontakt. Er lebt nicht allzu weit von der Wohnung der Pflegeeltern entfernt. Aber auch gegen ihn gibt es keinen konkreten Tatverdacht. Der Mann hat offenbar seine Sucht hinter sich gelassen. Bei den Ermittlungen ist er, wie auch die Pflegeeltern, kooperativ. Die Mutter der Elfjährigen ist schon vor Jahren verstorben.

Die Polizei hat einen schlimmen Verdacht. Das Mädchen könnte zufällig an das Methadon gekommen sein und es ahnungslos getrunken haben. Die Ersatzdroge wird im Rahmen des Substitutionsprogramms in flüssiger Form verabreicht. Süchtige mischen es vor allem mit Saft, um den bitteren Geschmack zu übertünchen. Ermittler schließen nicht aus, dass das Mädchen so ein Gemisch "gefunden" hat und davon probierte.

2009 war in Wilhelmsburg die neun Monate alte Lara-Marie tot in einer Wohnung gefunden worden. Das Kind war völlig abgemagert. Offensichtlich hatte die Mutter ihre kleine Tochter nicht versorgt. Die junge Frau wurde deswegen zu einer Jugendstrafe verurteilt. Die Wohnung, in der Lara-Marie starb, ist ganz in der Nähe der Wohnung, in der jetzt die Tragödie passierte. zv