110317SchaedelHarburgJoachim Schulz. Kriminalhauptkommissar. Arbeitsplatz an der Wilstorfer Straße. Das ist der Mann, der Hamburg den im Januar vor einem Jahr gestohlenen Störtebeker-Schädel wieder zurück brachte.

Seit 2006 ist Schulz bei der ZD 66. Dort wird unter anderem „spezieller Diebstahl“ bearbeitet. Schulz gilt als Kunstexperte, Kunst liebt er auch privat. Er nennt Bilder eines chinesischen Malers sein eigen.

Der Störtebeker-Schädel ist auch für ihn eines seiner großen Verfahren. „Es gibt so drei oder vier Fälle, die für einen als Ermittler etwas ganz Besonderes sind “, sagt er. „Der Diebstahl des Störtebeker-Schädels gehört dazu.“

Schulz selbst hat die Verhandlungen geführt, nachdem man im Januar durch ein anderes polizeiliches Verfahren auf eine Kontaktperson zum Störtebeker-Schädel gestoßen war. Am 21. Februar hatte Schulz den Nagel bekommen, auf den der Schädel aufgespießt war. Untersuchungen hatten ergeben, dass es das Original war. „Wir wussten damit, dass es nach vielen falschen Hinweisen die richtige Spur war“, so Schulz.

Jetzt konnte er zusammen mit dem Chef der Abteilung Verbrechensbekämpfung in der ZD, Andreas Lohmeyer, den Schädel an das Museum für Hamburgische Geschichte zurückgeben. Museumsdirektorin Prof. Dr. Kosok fiel ihm dabei sogar um den Hals und versprach dem Hauptkommissar: Er darf lebenslang ohne Eintritt ins Museum.

Der Störtebeker-Schädel war Anfang 2010 aus dem Museum für Hamburgische Geschichte am Holstenwall gestohlen worden. Die laxen Sicherungen hatten damals für Entsetzen gesorgt. Peinlich war auch, dass zunächst nicht einmal klar war, ob der Schädel weg oder nur verliehen war. Dabei gilt der bereits 1878 beim Bau eines Hafenbeckens auf dem Großen Grasbrook entdeckte Schädel zu den „wichtigsten Schätzen der Stadt“, wie Kosok sagt.

Im 14. Jahrhundert war auf dem Grasbrook eine Hinrichtungsstätte. Die Köpfe der Piraten, die dort geköpft wurden, nagelte man anschließend auf Pfähle, die an der damals dortigen Hafeneinfahrt standen. Es war eine Art Präventionsmaßnahme. So wusste gleich jeder, wie in der Hansestadt mit gefangenen Freibeutern umgesprungen wurde. Das der Kopf etwas ganz besonderes ist, war den Archäologen sofort klar. Die Köpfe normaler Piraten wurden so grob auf den Pfahl genagelt, dass die Schädel zersprangen. Dieser Schädel, so glauben die Fachleute, war bewusst besonders sanft behandelt worden, damit möglichst lange zu erkennen ist, wessen Kopf dort auf dem Pfahl steckt. Das es tatsächlich Störtebekers Kopf ist, konnte nie beweisen werden. zv