110129Demo01Harburg -Da hat der Staatsschutz bei seiner Einschätzung leicht daneben gelegen. Statt der 1000 Demonstranten, die gegen den Aufmarsch von Neonazis Thomas Wulff und seinen Anhängern protestieren, kamen nur etwa 600. So war es

für die 840 eingesetzten Polizisten kein großes Problem die beiden Lager getrennt zu halten.

Nur einmal schlüpften zwei Protestler durch das engmaschige Absperrnetz. Sie kamen unter der Brücke, die über den Seevekanal führt, abseits des Fußwegs durch. Bis zu den Rechtsradikalen kamen sie nicht. Vorher griff die Polizei zu und nahm sie in Gewahrsam. Ohnehin war der Seeveplatz für die Polizei der ideale Kundgebungsort. Der Platz ist leicht abzuriegeln. Versuche von Gegendemonstranten durch andere Schlupflöcher wie Notausgänge zu Wulff und dessen Anhängern vorzudringen scheiterten.

Erst als die NPD-Anhänger gegen 14.30 Uhr ihre Kundgebung beendet hatten und durch die S-Bahntunnel abzogen, gab es noch einmal am S-Bahnhof Remmidemmi. Hier entlud sich der Frust der Linksautonomen, die nicht zum Zug gekommen waren. Eier flogen, Polizisten scheuchten die Krawallmacher vom Vorplatz. Dann beruhigte sich die Lage endgültig.

Der Aufmarsch der Rechten: kaum der Rede wert. Zwar waren 60 und damit zehn NPD-Anhänger mehr gekommen, als vorausgesagt, die Kundgebung fand aber quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Beachtlich war dagegen die Gegendemonstration. Vor allem zur Kundgebung am Herbert-Wehner-Platz waren viele Harburger gekommen, darunter Michael Hagedorn, der Vorsitzende der Bezirksversammlung, Bezirksamtsleiter Torsten Meinberg, Sören Schumacher oder Jürgen Heimat von der SPD oder Ronald Preuß und Heinke Ehlers von der GAL. Auch Michael Neumann, Fraktionschef der SPD im Hamburger Rathaus und Antje Möller von der GAL kamen nach Harburg.

Am schlechtesten schnitten die Harburger Geschäftsleute ab. Einige Geschäfte direkt an der Wilstorfer Straße hatten erst gar nicht geöffnet. Im gesamten Innenstadtbereich war am Morgen wenig los. "Wir haben sonst an Sonnabend schon am Morgen eine wesentlich höhere Kundenfrequenz", sagte Thomas Diebold, Chef von Karstadt-Harburg.

Auch wer mit Bus oder Auto unterwegs war, hatte mit Demo-Auswirkungen zu kämpfen. Die Busse machten einen Bogen um die Innenstadt und fuhren über die Seehafenbrücke Richtung Heimfeld oder Eißendorf. Für Autofahrer waren viele Straßen gesperrt. zv

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