Harburg - Als im vergangenen Oktober von der Großen Strafkammer 27 des Hamburger Landgerichts das Urteil gegen die drei minderjährigen Vergewaltiger

gesprochen wurde, die im Februar 2016 an der Bornemannstraße eine 14-Jährige besonders brutal sexuell missbrauchten, sie danach fast nackt und in hilflosen Zustand auf einen dortigen Hinterhof schleppten und sie bei Temperaturen nahe des Gefrierpunktes liegen ließen, jubelten die Angehörigen aus ihren serbischen Großfamilien unverhohlen über das milde Strafmaß, das Bewährungsstrafen vorsahen. Der Richter hatte damals gleich Bevölkerungsschelte betrieben und dem Volk attestiert, dass viele diese Urteile als zu milde empfinden werden, sie aber gerechtfertigt seien, da nach dem Jugendstrafrecht der Erziehungsgedanke im Vordergrund stehe. Die angehörigen könnten zu früh gejubelt haben.

Denn der Richter lag in seiner Bewertung falsch. Der Bundesgerichtshof hat auf Antrag der Staatsanwaltschaft Teile seines Urteils gekippt und Revision zugelassen. Am kommenden Mittwoch ab 9.30 Uhr werden sich die Zivora S., Alexander K. und Dennis M., die zur Urteilsverkündung 17, 16 und 15 Jahre alt waren,  sowie Bosko P., der als Volljähriger zu vier Jahren Haft verurteilt wurde, erneut vor dem Hamburger Landgericht verantworten müssen. Dabei geht es noch einmal um die Bewertung der Tat - konkret ob sich die Beteiligten auch der der Aussetzung und der Beschaffung von jugendpornografischen Materials schuldig gemacht haben, indem sie den sexuellen Missbrauch auf Handys filmten. Auch ohne diese zusätzlichen Straftatbestände hatte der zuständige Bundesanwalt das Rechtsverständnis der Hamburger Richter scharf kritisiert, indem er das Urteil des Hamburger Landgerichts als zu milde beurteilte, weil die schwere der Schuld und die Strafzumessung nicht zusammenpassen würden.

Ursprünglich hatte Hamburger Staatsanwaltschaft wegen versuchten Mordes ermittelt, weil die Täter, mit der Aussetzung des Mädchens den Tod der 14-Jährigen in kauf genommen hätten. Das Mädchen war gegen 7 Uhr von der Polizei gefunden worden, nachdem Anwohner Hilfeschreie gehört hatte. Die Verletzte kam ins Krankenhaus Harburg, wo sie sofort auf die Intensivstation verlegt wurde. Die Körpertemperatur des Mädchens betrug nur noch 35,4 Grad Celsius. Der Alkoholgehalt in ihrem Blut lag bei 1,9 Promille. Im Krankenhaus wurden Verletzungen durch sexuellen Misshandlungen festgestellt, die ihr durch die Vergewaltigung zweier Beteiligter und durch das Einführen von Flaschen und Taschenlampen beigebracht wurden. zv