Harburg – Es waren weniger Demonstranten als erwartet. Rund 300 Personen beteiligten sich am Sonnabend an dem Aufzug „GESA to Hell“, der sich gegen die im

Zusammenhang mit dem G20-Gipfel eingerichtete Gefangenensammelstelle in der Schlachthofstraße richtet. Die Polizei war mit einem Großaufgebot erschienen. Für die Harburger war die Demonstration vor allem mit Verkehrsbehinderungen verbunden. Am 9. Juli will der Anmelder Thomas E. eine weitere vergleichbare Demonstration durchführen.

Mit 500 Teilnehmern hatte der Veranstalter laut Anmeldung gerechnet. Als um 18.30 Uhr der Aufzug eigentlich starten sollte, hatten sich erst um die 200 Demonstranten auf dem Harburger Rathausplatz eingefunden. Erst mit rund einer Stunde Verspätung setzte sich die Demonstration in Bewegung. Vorher war die maue Beteiligung via Lautsprecherwagen mit „systematischen Kontrollen“ begründet worden, die Polizisten rund um den Antreteort durchführte. Laut Polizei kann das nicht der Grund für die schwache Beteiligung gewesen sein. „Wir haben zehn Kontrollen durchgeführt“, sagt Polizeisprecher Timo Zill. Dabei wurden mitgeführte Taschen oder Rücksäcke durchsucht. Alle Personen hätten danach ihren Weg zur Demo fortsetzen können. In einem Fall habe man Tierabwehrspray gefunden. Zill begründete die Kontrollen mit der gewaltorientierten Grundhaltung von einem Teil der Teilnehmer. Die Einschätzung habe sich später bestätigt. „Die Stimmung war zwischenzeitlich verbal aggressiv, was durch lautstarkes Skandieren der Versammlungsteilnehmer gegen Polizeibeamte zum Ausdruck gebracht wurde“, so Zill. Zu Ausschreitungen kam es nicht. Um 21.44 Uhr, so notierte es die Polizei, sei die Demonstration „ohne weitere Vorkommnisse“ beendet worden. Tatsächlich gab es bis auf drei Böllerwürfe am Harburger Ring und ein Aufstoppen des Aufzugs noch auf dem Rathausplatz, der sich plötzlich und ohne Absprache mit der Polizei in Bewegung setzte, keine Konfliktsituationen. Laut Polizei war das aufstoppen nötig gewesen, weil noch nicht alle Verkehrsmaßnahmen eingeleitet worden sind.

Noch auf dem Rathausplatz wurde der Aufzug gestoppt, nachdem er sich plötzlich in Bewegung gesetzt hatte. Foto: Andre Zand-Vakili

Das es so ruhig blieb, dürfte auch an der Übermächtigen Polizeipräsenz gelegen haben, die keinen Spielraum für Krawallmacher gelassen hätte. Der Aufzug wurde nicht seitlich, aber vor und dahinter von zahlreichen Bereitschaftspolizisten begleitet. Besondere Punkte, wie die Wache 46 an der Lauterbachstraße oder die Gefangenensammelstelle in der Schlachthofstraße waren mit zusätzlichen Beamten und Wasserwerfern gesichert. Es wäre von seiten der Polizei, die bereits auf Einsatzkräfte aus anderen Bundesländern zurückgreifen kann,noch mehr drin gewesen. „Wir hatten bereits während des Aufzugs etwa die Hälfte der Einsatzkräfte wieder auf die Fahrzeuge aufsitzen lassen“, sagt Joachim Ferk, Chef der Hamburger Bereitschaftspolizei.

Besondere Punkte, wie hier die Wache 46 an der Lauterbachstraße, wurden besonders gesichert. Foto: Andre Zand-Vakili

Auch nach der Demonstration blieb es ruhig. Ein späterer Einsatz im Harburger Stadtpark, entpuppte sich als „Blase“. Zunächst hatte man angenommen, das um die 30 Demonstranten dort mit zelten ein Camp einrichten. Es war ein Treffen von Personen, die dem Alkoholkonsum  frönen. Das findet im Stadtpark offenbar regelmäßig statt. Die Szene, so stellte sich heraus, war bekannt.

Auch der Gesamteinsatzleiter der Polizei für den G20-Einsatz, Hartmut Dudde (2. v. li.) und Bundespolizist Normen Großmann (3. v re.), Chef der Eingreifeinheiten für den G20-Einsatz, waren beim Einsatz in Harburg vor Ort. Foto: Andre Zand-Vakili

Am 9. Juli will die linke Szene wieder Demonstrieren. Es soll eine vergleichbare Route gelaufen werden. Man erwartet erneut 500 Teilnehmer. Bei dem Aufzug dürften die Auswirkungen geringer sein. Es ist ein Sonntag. zv