Harburg - Begehung der GESA, der Zentralen Gefangenensammelstelle, in der während des G20-Gipfels bis zu 400 Krawallmacher festgesetzt werden.

Rund drei Millionen Euro, so die Kalkulation, kostet die Anlage. Alle wichtigen Bereiche, die bei freiheitsentziehenden Maßnahmen nötig sind, sind dort zusammengefasst. So kann von einem Richter schnell entschieden werden. „Es gibt kein Sonderrecht für den G20-Gipfel“, sagt Polizeisprecher Timo Zill. „Alles läuft so wie im Alltag. Nur zentral.“ Der Bau wurde von der Nationalen Stelle zur Verhütung von Folter begleitet, die der Polizei attestiert habe, dass die Unterbringung von Festgesetzten "angemessen sei". Festgesetzte werden laut Zill voraussichtlich zwischen sechs und zehn Stunden dort eingesperrt sein. Auf dem Gelände befindet sich auch das Amtsgericht Hamburg, Nebenstelle Neuland. Dort wird wird ausschließlich über ein verbleiben in Polizeigewahrsam und Untersuchungshaft entschieden. Wer in Haft kommt, wird von der GESA in eine der normalen Justizvollzuganstalten überstellt.

harburg-aktuell hat sich in der GESA umgesehen und erklärt, wie die Anlage funktioniert, die seit März eingerichtet wurde und jetzt fertig.

Gelber Bereich

Hier werden die Festgenommene und In Gewahrsam genommene Personen durch spezielle Gefangenentransportfahrzeuge angeliefert. Die Gefangenen durchlaufen eienen der zehn Containern vor der Halle mit jeweils zwei Arbeitsplätzen (Foto l.). Hier geht es in allererster Linie um die Feststellung der identität der Festgenommenen. Dort können gleichzeitig 20 Personen abgefertigt werden. Dabei kann die Polizei auf mehrere Datenbanken zurückgreifen. Zudem gibt es zur Festellung von Identitäten Geräte, mit denen Fingerabdrücke eingescannt werden.

Roter Bereich

Das Kernstück der GESA in der etwa 11.000 Quadratmeter großen Halle in dem ehemaligen Lebensmittelgroßmarkt mit dem Zellenbereich (Foto l.). Sie ist eine "waffenlose" Zone, in der auch Polizisten keine Schusswaffe oder Reizstoffsprühgeräte tragen. Hier befinden sich Container mit 70 Sammelzellen (Foto r.) mit jeweils 9 Quadratmeter für fünf Personen und 50 Einzelzellen mit jeweils  3,23 Quadratmeter. Die
Zellen sind klimatisiert, haben dimbares Licht und einen Rufknopf für den Notfall. Es gibt Rauchmelder aber keine Videoüberwachung. Die Türen haben Gucklöcher für eine "Sichtkontrolle" durch die dort eingesetzten Beamten. Die Zellen selbst sind reine, in Weiß gehaltene Zweckräume, in denen eine Gelegenheit zum Sitzen oder Liegen integriert ist. Die Tür wird von außen verriegelt. Oberhalb der Tür ist ein Gitter angebracht, durch das Licht in die Zelle einfällt. Die Container sind angemietet und für den Zweck als Zellentrackt ausgebaut worden. Später werden die Container wieder für andere Zwecke genutzt werden. Dafür werden sie vermutlich "entkernt" werden

Grüner Bereich

Hier befindet sich der Raum für die Erkennungsdienstliche Behandlung (Foto l.), kurz ED genannt. Es gibt vier Arbeitsplätze. Von Festgesetzten Demonstranten werden Fotos gemacht und Fingerabdrücke genommen. Gleich nebenan sind Vernehmungszimmer für die Kripo. Es gibt auch einen Arztraum (Foto r.), in dem kleinere Blessuren behandelt werden können. Gleich daneben sitzt auch die Leitungsgruppe der GESA. Im ersten stock des Gebäudes, dem ehemaligen verwaltungsbereich des Lebensmittelgroßmarktes haben Staatsanwälte ihren Bereich. Im bereich der HAlle stehen den Festgenommenen auch insgesamt sechs Telefone zur Verfügung, über die sie, beispielsweise mit einem Anwalt, Kontakt aufnehmen können.

Blauer Bereich
Hier befindet sich die temporäre Außenstelle des Amtsgerichts Mitte, die vom 29. Juni bis zum Ende des G20-Einsatzes besetzt sein wird. 130 Richter werden dort im Schichtsystem eingesetzt. Gleichzeitig sollen acht Richter zur Verfügung stehen, die über freiheitsentziehende Maßnahmen entscheiden. Mit dabei sind Protokollkräfte,

Nicht farblich markiert sind die 36 Sanitärcontainer im Außenbereich vor der Halle, sowie Aufenthaltsräume für Einsatzkräfte. Zudem stehen Räume zur Verfügung, in denen sich Festgenommene mit Anwälten treffen können. Das Gelände selbst ist mit einem Zaun gesichert, auf dem zusätzlich sogenannter Nato-Draht angebracht ist. Für die Zeit des G20-Einsatzes werden auch Polizeikräfte das Areal von außen schützen. Die Schlachthofstraße wird dann für den Verkehr gesperrt sein.